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Vielleicht, vielleicht auch nicht


Das zweifellos größte Importmittel der amerikanischen Filmindustrie ist die Romantic Comedy. Jahr für Jahr wird der internationale Markt zugemüllt mit vorhersehbaren Liebesschmonzetten, die mit reichlich Taschentuchpotenzial und zweifelhaftem Humor ausgestattet, auf ein möglichst großes Zielgruppenpotenzial hin berechnet wurden.

Auf den ersten Blick ist 'Vielleicht, vielleicht auch nicht' eine ebenso konventionelle Boymeetsgirl-Story. Aber schon der Ansatz, die Handlung von einem frustrierten Familienvater als knapp zweistündige Anekdote seiner Tochter in Form einer Gutenachtgeschichte erzählen zu lassen, ist erfrischend.

Die kleine Maya hatte ihre erste Unterrichtsstunde in Sexualkunde und weigert sich einzuschlafen, bis sie alles weiß. Darüber, wo sie herkommt, ob ihre Eltern verliebt waren und warum sie es jetzt, wo sie kurz vor der Scheidung stehen, nicht mehr sind. Also reist ihr Vater Will in seiner Erinnerung zurück in die Neunziger. Damals kam er als Wahlkampfhelfer für Clinton nach New York und lies dafür seine College-Flamme Emily zurück.

Als die Fernbeziehung scheitert, tröstet sich Will mit der freigeistigen Journalistin Summer. Die hängt eigentlich an dem Literaturprofessor Hampton Roth, sieht das aber nicht so eng. Dann ist da noch Kopiermaus April, die gute Seele in Wills Leben. Im Gegensatz zu ihrem Vater merkt die aufgeweckte Maya aber schnell, dass die eigentlich mehr als nur seine beste Freundin sein will. Der Mittdreißiger hat wohl Recht, wenn er bemerkt, dass die ganze Geschichte viel zu kompliziert sei.

„Wissen Sie, was Sie wollen?“, der unschuldige Satz einer Kellnerin war eigentlich mit Blick aufs Menü geäußert, doch Wills dahingesagtes „Noch nicht“ steht symbolisch für sein Liebesleben. Auf seiner Stirn klebt ein fortwährendes "Vielleicht". Nur gut, dass ihm das Drehbuch reichlich Chancen einräumt, um doch noch die Kurve zu kriegen.

Autor und Regisseur Adam Brooks setzt auf Wortwitz und orientiert sich dabei klar an den geschwätzigen Komödien Woody Allens. Reynolds und die Frauen lassen die Atmosphäre ausreichend knistern. Besonders die Liaison mit Rachel Weisz’ Charakter Summer, deren Mentor Hampton von einem spitzzüngigen Kevin Kline gemimt wird, bringt die Leinwand zum vibrieren. Der Mut, etwas wirklich Neues zu wagen, mag ihm am Ende fehlen, doch 'Vielleicht, vielleicht auch nicht' beherrscht die Regeln des Genres und spielt damit angenehm virtuos. Lars Tunçay

USA/GB/F 2008 (Definitely, Maybe) Regie und Buch: Adam Brooks. Mit: Ryan Reynolds, Isla Fisher, Derek Luke, Abigail Breslin, Elizabeth Banks, Rachel Weisz, Kevin Kline. Universal. 112 Min. Ab 27. März 2008 im Kino.

 

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