Angelina Maccarone scheut mit ihren Filmen keine Wagnisse. In Fremde Haut hatte sie vor eineinhalb Jahren sowohl die Problematik weiblicher Homosexualität im Iran als auch die fragwürdige Abschiebepolitik der Bundesrepublik thematisiert und durch das herausragende Spiel Jasmin Tabatabais auch emotional erfahrbar zu machen verstanden.
Dass es ihr in Verfolgt nun ebenso spielend gelingt, den schwierigen Komplex des Sadomasochismus auszuloten, liegt einmal mehr nicht zuletzt an der hervorragenden Wahl ihrer beiden Hauptdarsteller. Maren Kroymann ist die reife Bewährungshelferin Elsa, die durch die Begegnung mit ihrem neuen Schützling Jan (Kostja Ullmann aus Sommersturm), eines sechzehnjährigen Autodiebes, bis an die Grenzen ihrer sexuellen Begehrlichkeiten getrieben wird.
Der Junge verfolgt die verheiratete Frau Tag und Nacht, drängt sie immer weiter in die von ihm präferierte Position der Sadistin, die Elsa zunehmend Gefallen bereitet. Bald wird sie von der Verfolgten zur Jägerin, das Schlagen und Demütigen Jans zur sexuellen Droge.
In kontrastreichem Schwarz-Weiß gedreht, lotet Angelina Maccarone in Verfolgt die antagonistischen Positionen im SM-Spiel aus, indem sie das Geschehen weitgehend auf ihre beiden Hauptfiguren reduziert. Das Leben in Jans WG tritt dabei ebenso in den Hintergrund wie die Ehe Elsas oder das Verhältnis zu ihrer jüngst ausgezogenen, erwachsenen Tochter.
Kostja Ullmanns verführerischem Blick, mit dem er von Beginn an den Alltag der verhärmten Elsa aufzuwirbeln versteht, kann man sich auch als Kinozuschauer schwerlich entziehen. Ihm gegenüber lässt Maren Kroymann in einer ihrer viel zu seltenen fordernden dramatischen Rollen die Sehnsüchte, Begierden und Abgründe ihrer Figur aufleben. Und das ohne jeglichen Voyeurismus oder Effekthascherei. TS
D 2006. Regie: Angelina Maccarone. Buch: Susanne Billig. Mit: Maren Kroymann, Kostja Ullmann, Moritz Grove, Sila Sahin, Ada Labahn, Markus Völlenklee, Stephanie Charlotta Koetz, Sophie Rogall. mmm Film Verleih. 87 Min. Ab 4. Januar 2007 im Kino. |