In Kittel gehüllt, klinisch rein, betritt ein Mann einen laborähnlichen Raum. Die Flipchart in der einen Hand, öffnet er mit der anderen eine Klappe, die in eine der Türen eingelassen ist. Dahinter hunderte Kisten, in denen neugeborene Küken übereinander wuseln.
Die Nahrungsmittelbranche ist an penible Auflagen gebunden, vor allem was die Reinheit anbetrifft. Im krassen Gegensatz dazu stehen die unwürdigen Bedingungen, unter denen ein Tier zu leiden hat, bis es bei uns auf dem Tisch landet. Die Produktion von Nahrung ist längst zu einem industriellen Massenablauf geworden. Wie in Autofertigungshallen stehen Menschen apathisch an Fließbändern und vollziehen emotionslos ihre Abläufe: Salatköpfe ausgraben und eintüten, Paprikaschoten pflücken, Rindshälften teilen, Hühner köpfen.
Der österreichische Dokumentarfilmer Nikolaus Geyrhalter zeigt diese tagtäglichen Prozesse wortlos, wertfrei, ohne Kommentar. Zwar sehen wir auch bei ihm die immer wieder präsenten, schwer verdaulichen Bilder von leidenden Tieren, und er streift das Thema Fischfang nur im Vorbeigehen – sicher auch, weil Fische nicht schreien können. Doch durch den Verzicht auf Interviews und Off-Kommentar wirken seine Bilder umso eindringlicher. Sie sind zudem äußerst kunstvoll arrangiert und bekommen in langen Einstellungen viel Zeit zur Entfaltung. So ist Geyrhalters Botschaft deutlich nachhaltiger als beispielsweise die des erst kürzlich angelaufenen We Feed the World seines Landsmannes Erwin Wagenhofer.
Im nächsten Monat startet mit Richard Linklaters Fast Food Nation ein weiterer Film, der die Machenschaften der industriellen Nahrungsmittelproduktion entlarvt, in den deutschen Kinos. Das Bewusstsein für ökologisch gerechte Ernährung ist größer denn je – und das ist gut so. LT A/D 2005. Regie, Kamera und Buch: Nikolaus Geyrhalter. Buch, Dramaturgie und Schnitt: Wolfgang Widerhofer. Alamode. 92 Min. Ab 18. Januar 2007 im Kino. |
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