Die Kinder von Golzow ist die tatsächlich älteste Langzeitbeobachtung des internationalen Films. Und langsam aber sicher kommt sie dabei unübersehbar in die Jahre.
Vor 45 Jahren machten sich die Filmemacher zum ersten Mal auf den Weg in Richtung Oderbruch, um die erste Klasse einer Schule im verschlafenen Örtchen Golzow mit ihren Kameras zu begleiten. Damals von den zuständigen Stellen sicher nicht ganz unideologisch geplant als Dokumentation auch des Fortschritts, den der Sozialismus der bislang benachteiligten Landbevölkerung zukommen zu lassen in der Lage war.
Keiner hätte zu diesem Zeitpunkt wohl geahnt, dass sich diese kleinen, durchweg behutsam erzählten und wunderschön anzuschauenden Geschichten über eine Handvoll Kinder im Laufe der Jahre zu einem filmischen Monument gesamtdeutscher Identität auswachsen würde. Denn das einerseits Reizvolle ist mittlerweile, dass es den Filmemachern gelungen ist, den historischen Rahmen des zweigeteilten Deutschland hinter sich zu lassen. Und das andererseits Beklemmende, dass die zu Durchschnittsbürgern herangewachsenen Durchschnittskinder so viele Identifikationsansätze bieten und sich dabei mitunter sehr viel näher an Teile der eigenen Biografie herantasten, als einem lieb ist.
Den 19. Teil der Serie legen uns die Filmemacher mit ihrer aktuellen Produktion vor. Und mit dem zwanzigsten soll dann endgültig Schluss sein. Der inhaltliche Schwerpunkt und der historische Rahmen hat sich unverkennbar in die 70er Jahre verschoben, verbunden und verwoben natürlich auch hier mit jeder Menge „davor“ und „danach“. Die gesamte Reihe würde an dieser Stelle zweifellos und zurecht mit den verdienten 6 Sternen ausgezeichnet. Der vorliegende zweiteilige Film, der sich mühelos in das Gesamtwerk einpasst, ist jedoch nicht unbedingt das Glanzlicht der bislang veröffentlichten Titel. AW
D 2006. Regie und Buch: Barbara und Winfried Junge nach einer Idee von Karl Gass. Progress. 278 Min. Ab 23. März 2006 im Kino. |