An sich ist Sabrina ziemlich konservativ, oder, noch besser ausgedrückt, schon ziemlich bieder. Sie jobbt in einem Taco-Diner, hat ein bescheidenes, aber nett eingerichteten Zuhause und versucht ansonsten eigentlich hauptsächlich, möglichst wenig aus dem kleinbürgerlichen Rahmen zu fallen.
Und das gelingt ihr auch. Nur, dass sie dafür ihre gesamte Energie aufwenden muss, denn biologisch betrachtet ist Sabrina noch ein Mann. Einer, dem nach jahrelangen Operationen und Hormonbehandlungen nun endlich der lang ersehnte, entscheidende chirurgische Eingriff bevorsteht.
Fragil und nervös wie sie dabei ohnehin schon ist, schlägt da ein Anruf wie eine Granate in ihr Leben ein: Im New Yorker Gefängnis wartet Toby auf seine Abholung. Und Toby ist das bislang unbekannte Produkt einer längst vergessenen sexuellen Experimentierphase aus frühen College-Zeiten – der Phase, in der Sabrina noch Stanley war. Eher aus Zwang denn aus Verantwortungsgefühl heraus begibt sich Sabrina auf eine schwierige und folgenreiche Reise, um endgültig mit der Vergangenheit aufzuräumen...
Transamerica ist ein ganz besonders zärtlicher Film und einer der seit langem großartigsten Repräsentanten amerikanischer Independent-Filmkultur. Ohne die behandelte Thematik allzu sehr in den Vordergrund zu stellen, gelingt es Regisseur Duncan Tucker, dem Zuschauer völlig neue Denkräume zu erschließen. Und quasi im Vorbeigehen malt er mit seiner Geschichte nach klassischem Roadmovie-Konzept ein herrlich anzusehendes Sitten- und Gesellschaftsgemälde des heutigen Mittelstands-Amerika.
Nicht zuletzt sehenswert ist Transamerica wegen Felicity Huffman in der Hauptrolle und Kevin Zegers in der Rolle des „jungen Wilden“, des „ungeschliffenen Diamanten“, der eigentlich nach nichts anderem sucht, als nach ein wenig Liebe und Anerkennung. AW
USA 2005. Regie und Buch: Duncan Tucker. Mit: Felicity Huffman, Kevin Zegers, Fionnula Flanagan, Elisabeth Peña, Graham Greene, Burt Young. Falcom Media. 103 Min. Ab 16. März 2006 im Kino. |