Die dänische Regisseurin Susanne Bier ('Open Hearts') inszeniert mit ihrem prominent besetzten internationalen Filmdebüt ein berührendes Kammerspiel zwischen Halle Berry und Benicio Del Toro und gewährt einen stillen und unaufgeregten Einblick in die Abgründe zweier Menschen, die einander erst dann finden können, als bereits fast alles verloren erscheint.
Im Leben von Audrey (Halle Berry) und Brian (David Duchovny) läuft alles perfekt, doch als Brian eine Frau vor ihrem gewalttätigen Ehemann beschützen will, wird er von diesem erschossen. Bei der Beerdigung ihres Mannes nähert sich Audrey zum ersten Mal Brians ältestem Freund an, dem schwer drogenabhängigen Jerry (Benicio Del Toro), den sie bis dahin stets abgelehnt hatte, der von ihrem Ehemann jedoch niemals aufgegeben worden war. Zwischen den beiden entsteht sehr langsam eine fragile Abhängigkeit und allmählich eine Freundschaft, die durch die Schicksalsschläge beider erst ermöglicht wird, dadurch aber auch schweren Belastungen ausgesetzt ist.
'Things We Lost in the Fire' erzählt die Geschichte zweier Menschen, die einander in den
schwierigsten Phasen ihres Lebens begegnen und davon, was es heißt, in diesen nicht alleine zu sein, eine zweite Chance zu bekommen, selbst aber auch, trotz des Schmerzes, Halt gewähren zu können. Der Film lebt maßgeblich vom Spiel Benicio Del Toros, dessen Leinwandpräsenz die Halle Berrys bei Weitem überragt. Sein Faible für spezielle Typen und abgründige Charaktere erweitert der so oft auf rüpelhafte, krachlederne Rollen abonnierte Del Toro hiermit um eine neue Dimension. Selten hat man ihn derart in sich ruhend beobachten dürfen, so wandelnd zwischen Lebensmut und dem totalen Absturz in die Suchtkrankheit, verletzlich und stark zugleich. Das bleibt im Gedächtnis. Großartig!
'Things We Lost in the Fire' ist der glückliche Versuch Susanne Biers, einen europäischen
Autorenfilm in Hollywood zu realisieren. Dass manche Einstellungen oder die szenischen
Verschachtelungen zu Beginn dennoch etwas gestelzt daher kommen, ist dabei nur ein sehr kleines Manko, das man gerne entschuldigt. Es gelingt ihr, die enorme emotionale Kraft des Films auf das Publikum zu übertragen und ohne billige Effekte und Wendungen die Handlung klug weiter zu entwickeln, ohne auf einen abgegriffenen Deus ex Machina zurück zu greifen, um am Ende alles im Einheitsbrei eines unrealistischen Happy Endings untergehen zu lassen.
Der Film ist keine Mischung aus Familiendrama und Fixerfilm, und verliert sich auch nicht in den Klischees der beiden Genres, sondern ist ein Wechselspiel zwischen den Akteuren Halle Berry und Benicio Del Toro. In seiner Ausrichtung auf die beiden Hauptdarsteller und in seiner Dramatik möchte der Film bei Zeiten in seiner Intensität an die Dramen Woody Allens oder Ingmar Bergmans erinnern – bleibt aber, das muss bei jedem Lob erwähnt bleiben, hinter den Meisterwerken beider zurück. Dennoch ist 'Things We Lost in the Fire' ein Film, der uneingeschränkt empfohlen werden kann. Golo J.J. Blasche USA/GB 2007. Regie: Susanne Bier. Buch: Allan Loeb. Mit: Halle Berry, Benicio del Toro, David Duchovny, Alexis Llewellyn, Micah Berry, John Carroll Lynch, Alison Lohman. Universal. 117 Min. Ab 29. Mai 2008 im Kino.
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