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Der Teufel trägt Prada




Hast Du schon gehört, das ist das Ende vom Kapitalismus... Jetzt isser endlich vorbei, vorbei, vorbei“ singt Peter Licht in einer ziemlich schrägen Hymne über den „alten Schlawiner, der uns schon viel zu lange auf der Tasche gelegen hat“.

Es gibt wohl heute kaum einen Wirtschaftszweig, der sich sein Gewinn bringendes System um den kapitalistischen Schmierstoff Nachfrage perfekter zu Recht gezimmert hätte als der der internationalen Modeindustrie. Aus neu mach alt in einer Saison, ein begehrenswerter Fummel ist innerhalb weniger Monate ein alter Hut – das ist als Metapher für die absurden Auswüchse eines längst in der Dekadenz angekommenen Systems kaum zu übertreffen.

Die wirklich fetten Jahre sind für die Haute Couture allerdings schon seit längerem vorbei – und sie wirkt zuweilen auch ein wenig angeschlagen vom anstrengenden Kampf, sich seit Jahrzehnten im Drei-Monats-Rhythmus komplett neu erfinden zu müssen. Robert Altmans höchst unterhaltsamer Imagefilm Prêt-à-Porter liegt mittlerweile auch schon 12 Jahre zurück (eventuell waren das die fetten Jahre), doch weiß man auch heute in Hollywood noch genau, wie ähnlich eng in beiden Branchen Glamourfaktor und Erfolg miteinander verbandelt sind.

Um mit einem Film wie Der Teufel trägt Prada aber nicht nur das ohnehin bereits anvisierte Publikum zu erreichen, sondern auch den Modemuffel Stück für Stück in die Glitzer- und Glamourwelt zu entführen, reicht man ihm hilfreich die Hand der süßen Journalismus-Studentin Andy Sachs.

Die findet sich, nach zahllosen erfolglosen Bewerbungen nämlich unversehens als persönliche Assistenten von New Yorks unumstrittener Modezarin Miranda Priestly (Meryl Streep) wieder – im ausgebeulten Cordjäckchen und mit ausgetretenen Schuhen gewandet – inmitten der bis ins kleinste Detail durchgestylten Redaktion des mächtigen Modemagazins „Runway“.

Andys ebenso sympathischer wie unbeirrbarer Wille, diesen Job zu bewältigen, auch wenn sie dafür denkbar ungeeignet erscheint, ihre anfängliche Tollpatschigkeit, die sich natürlich nach und nach in ein unbeirrbares Selbstbewusstsein wandelt, macht Der Teufel trägt Prada ebenso sehens- wie liebenswert.

Mit Andy zusammen blicken wir immer tiefer hinein in die Abgründe, die sich hinter der schillernden Oberfläche dieser Branche auftun und die – so die Moral von der Geschicht' – von denen anderswo kaum zu unterscheiden sind.

Der Teufel trägt Prada ist ein mit durch und durch leichter Hand inszenierter, beschwingter, hin und wieder auch herrlich ironischer Film über die universellen Gefühle und die vielen Stolperfallen, die den ersten Kontakt mit der Berufswelt prägen. Trotz der Behutsamkeit, die er seiner Geschichte angedeihen lässt, bietet er auf sehr gewitzte Art und Weise tiefe Einblicke in die Funktionsweise von Machtgefügen und deren Schattenseiten. Ein durchweg passendes Ensemble schart sich um Meryl Streep in einer Paraderolle als machtbesessene und selbstverliebte Herrscherin über ein Imperium, die sich nach und nach jedoch einfach als Frau entpuppt, die nichts anderes tut, als ihren Job zu erledigen.

Sollte das mit dem Kapitalismus irgendwann wirklich mal ein Ende finden, wird man für einen verklärenden Rückblick und die bildliche Beschwörung der guten alten Zeit kaum einen schöneren Film auswählen können als diesen. AW

USA 2006 (The Devil Wears Prada) Regie: David Frankel. Buch: Aline Brosh McKenna. Mit: Meryl Streep, Anne Hathaway, Stanley Tucci, Simon Baker, Emily Blunt, Adrian Grenier. Fox. 110 Min. Ab 12. Oktober 2006 im Kino.