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Tagebuch eines Skandals


Im Laufe des 21. Jahrhunderts hat die moderne westliche Zivilisation einige grundlegende Wertewandel durchlaufen, die mit Hilfe der neuzeitlichen Aufklärung aus so manchen einstmals moralisch verfemten Lebensstilen endlich tolerierte Lebensentwürfe machten.

Viel gibt es heutzutage deswegen nicht mehr, was das Etikett „Skandal“ noch verdienen würde. Zoë Heller hat in ihrem Roman aus dem Jahr 2001, der diesem Film als Vorlage diente, dennoch einen solchen zum Dreh- und Angelpunkt der Ereignisse gemacht.

Sheba Hart (Cate Blanchett), Mutter zweier Kinder und Ehefrau eines deutlich älteren Mannes, bekommt als Lehrerin Avancen von einem ihrer 15jährigen Schüler gemacht. Nach kurzer Abwehrhaltung lässt sie sich auf die Affäre mit dem halb so alten Steven ein – und wird bei einem ihrer intimen Treffen von ihrer älteren Kollegin Barbara (Judi Dench) ertappt. Diese willigt ein, niemandem davon zu erzählen, erhofft sich durch ihr Entgegenkommen sogar, die Zuneigung Shebas zu gewinnen, für die sie weit mehr als bloß Freundschaft empfindet.

Man kann nur hoffen, dass die Zuschauer aufgeklärt genug sind, um Barbaras pathologisches Verhalten nicht mit ihrem Lesbischsein in einen Topf zu werfen. Ansonsten könnte es nämlich passieren, dass Richard Eyres (Stage Beauty) Film unterbewusst die Homosexualität seiner Protagonistin als degeneriert und kriminell erscheinen lässt. Gerade die, den Horrorkonventionen abgeschaute, letzte Szene unterstreicht nämlich diese Lesart.

Dem entgegen steht die wieder einmal vorzügliche Darstellerleistung Dame Judi Denchs, der es als Ich-Erzählerin und Tagebuchschreiberin durchaus gelingt, die Zerrissenheit, Sorgen und Nöte ihrer Figur glaubhaft zu machen und der pathologischen Getriebenheit somit auch nachvollziehbare, tragische Momente hinzuzufügen. FB

GB 2006 (Notes on a Scandal) Regie: Richard Eyre. Buch: Patrick Marber. Mit: Dame Judi Dench, Cate Blanchett, Andrew Simpson, Bill Nighy, Juno Temple, Max Lewis, Stephen Kennedy, Tom Georgeson. Fox. 92 Min. Ab 22. Februar 2007 im Kino.

 

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