Das einzige über das Mittelmaß herausragende Drehbuch, das David Ayer bisher schrieb, war interessanterweise auch eine James-Ellroy-Adaption ('Dark Blue', Regie: Ron Shelton). Nun hat er sich für seine zweite Regiearbeit – nach 'Harsh Times – Leben am Limit' – wieder eine Vorlage des Krimi-Kultautors (u.a. 'L.A. Confidential') ausgesucht und ihn dazu überreden können, erstmals am Drehbuch eines Kinofilms mitzuwirken.
Das Ergebnis sieht allerdings eher so aus, als hätten ihm seine Co-Autoren, der Debütant Jamie Moss und der mäßig begabte Kurt Wimmer (u.a. 'Wiege des Terrors') irgendwann das Heft aus der Hand genommen und, vermeintlich publikumswirksame, Action-Szenen hinzugefügt. Denn eigentlich geht es in 'Street Kings' mehr um das Innenleben des seit dem Tod seiner Frau etwas aus der Spur geratenen L.A. Cop Tom Ludlow (Keanu Reeves), der schon mal gerne kurzen Prozess mit Verdächtigen macht.
So gerät er ins Visier der internen Ermittler und sogar in Verdacht, an der Ermordung seines ehemaligen Streifen-Partners, der sich den Behörden offenbart hatte, beteiligt gewesen zu sein. Toms Chef, Captain Wander (Forest Whitaker), versetzt ihn darauf in einen Schreibtisch-Job, was Ludlow jedoch nicht daran hindert, zusammen mit seinem jungen Kollegen Paul (Chris Evans) die Killer auf eigene Faust zu jagen. Dass er dabei in ein Wespennest von Korruption greift, wird ihm fast zu spät klar...
'Street Kings' ist ein rasanter, action-geladener Cop-Thriller, bei dem die Grenze zwischen Gut und Böse verschwimmt und sich die Frage stellt, wie weit ein Cop bei der Suche nach Gerechtigkeit gehen darf.
Wären da nicht einige dramaturgisch völlig überzogene Action-Sequenzen, wie die im Stacheldraht endende Verfolgungsjagd eines Tatverdächtigen und die wenig glaubwürdige „Unverwundbarkeit“ unseres Helden, sowie das Augen rollende „Kasperle“-Spiel von Forest Whitaker – man könnte diesen harten Cop-Thriller uneingeschränkt „genießen“. Immerhin beeindrucken Keanu Reeves mit einer konzentrierten, schnörkellosen Performance und der preisgekrönte mexikanische Kameramann Gabriel Beristain (u.a 'Caravaggio', 'The Ring 2') mit einer atmosphärisch dichten Lichtsetzung, die das Dunkel der Seele(n) kongenial mit der Düsterheit der Schauplätze korrespondieren lässt. Rolf-Rüdiger Hamacher USA 2008. Regie: David Ayer. Buch: James Ellroy, Jamie Moss, Kurt Wimmer. Mit: Keanu Reeves, Forest Whitaker, Hugh Laurie, Chris Evans, Martha Higareda, Cedric the Entertainer, Jay Mohr, Common. Fox. 109 Min. Ab 17. April 2008 im Kino.
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