Nach langen Jahren der Bedeutungslosigkeit ist der Fantasyfilm mit der grandiosen Herr der Ringe-Trilogie Peter Jacksons und den kongenialen Harry-Potter-Adaptionen mit nachhaltiger Wucht wieder auf die große Leinwand zurückgekehrt.
Nach den Chroniken von Narnia, die im nächsten Sommer ihre erste Fortsetzung erfahren werden, sind im Gefolge auch die mäßige Romanadaption Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter oder der mäßig erfolgreiche Lemony Snicket – Rätselhafte Ereignisse entstanden, die in diesem Zusammenhang zu nennen sind.
Der Sternwanderer basiert nun seinerseits auf einer erfolgreichen Romanvorlage des Comic- und Fantasyschriftstellers Neil Gaiman. Der überbordende Ideenreichtum, der mitunter an Terry Gilliams beste Arbeiten in diesem Genre gemahnt, sowie ein frech-ironischer Erzählton, den man in vergleichbaren Werken auch viel zu selten antrifft, machen Matthew Vaughns erste Großproduktion zu einem sehenswerten Vergnügen für alle Altersklassen.
Ende des 19. Jahrhunderts möchte der etwas tollpatschige Tristan (Charlie Cox) um die Hand der Dorfschönheit (Sienna Miller) anhalten. Um gegen einen schnöseligen Kontrahenten zu bestehen, verspricht er seiner Angebeteten, ihr den Stern, der als Sternschnuppe vom Himmel gestürzt war, als Verlobungsgeschenk darzubringen. Tristans Ziel liegt aber jenseits der großen Mauer, also nicht mehr in England, sondern im Königreich Stormhold, das zu betreten streng verboten ist.
Natürlich gelingt es dem Jungsporn trotzdem, den Stern aufzuspüren, der entgegen Tristans Erwartungen die Gestalt einer wunderschönen Frau (Claire Danes) hat. Aber Tristan ist nicht der einzige, der sich für Yvaine interessiert. Sowohl die Hexe Lamia (Michelle Pfeiffer), die sich von Yvaines Herz ewiges Leben verspricht, als auch Kronprinz Septimus (Mark Strong), der sich Hoffnung auf den Thron macht, heften sich an die Fersen des gefallenen Sterns. Das vergleichsweise geringe Budget von 70 Millionen Dollar sieht man Matthew Vaughns Fantasyspektakel wahrlich nicht an. Mit viel Liebe und Hingabe haben seine Production Designer und Set Decorator eine eigene Welt erschaffen, in die man mit der Begeisterung eines kleinen Kindes eintauchen kann. So richtig bombastisch werden die eindrucksvollen Bilder schließlich durch die angemessen epische Untermalung durch Ilan Eshkeris Soundtrack, der ein bisschen John Williams mit den eingängigen Melodienarrangements eines Hans Zimmer mischte und damit einen mitreißenden Klangteppich kreierte. Und auch Regisseur Vaughn, in Deutschland sicherlich am bekanntesten als Ehemann von Top-Model Claudia Schiffer und Vater ihrer beiden Kinder, tritt eindrucksvoll den Beweis an, dass er sich nicht nur im Inszenieren kleiner, feiner Filme wie Layer Cake versteht.
Der größte Pluspunkt von Der Sternwanderer liegt aber fraglos in seinem Humor und seiner Selbstironie, die ihn trotz seiner ernstzunehmenden dramatischen Qualitäten gelegentlich fast wie eine Parodie auf das Genre des Fantasyfilms wirken lassen.
Neil Gaimans literarische Vorlagen wurden gekonnt in die Filmsprache transferiert und durch ausgelassene Darstellerleistungen dahingehend weiter verfeinert. Insbesondere Robert De Niro in der Rolle des Furcht einflößenden Piratenkapitäns Shakespeare (!), der in Wirklichkeit gar nicht so hart ist, wie der Ruf, der ihm vorauseilt, darf sein eigenes Image genüsslich dekonstruieren. Wahrscheinlich bekommt man nach diesem Film die Bilder des selbstverliebt in Damenspitzenunterwäsche vor dem Spiegel tanzenden De Niro nicht mehr aus dem Kopf, sobald man Jacques Offenbachs „Can Can“ das nächste Mal hört.
So gelingt es Matthew Vaughn mit dem Sternwanderer einerseits, eine liebenswerte „unmögliche“ Romanze in der klassischen Tradition zu erzählen und andererseits sich und seine Figuren nie zu ernst zu nehmen. Ein geglückter Balanceakt, der dem Fantasygenre neue, unterhaltsame Qualitäten abgewinnt. TS USA/GB 2007 (Stardust) Regie und Buch: Matthew Vaughn. Buch: Jane Goldman. Mit: Claire Danes, Charlie Cox, Sienna Miller, Michelle Pfeiffer, Robert De Niro, Peter O’Toole, Rupert Everett. Universal. 130 Min. Ab 18. Oktober 2007 im Kino.
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