
Der letzte Superman wirkte auf Sie zu grüblerisch für einen Superhelden? Dann warten Sie erstmal den neuen Spider-Man ab, der kommt aus den Skrupeln gar nicht mehr heraus.
„Die dunkle Seite“ der Macht, sprich: „Eitelkeit, Stolz und Rachsucht“ des mit Spinnenkräften ausgestatteten Biedermanns Peter Parker wollten Regisseur Sam Raimi und sein Team im dritten Teil der Heldensaga zum Vorschein bringen. Doch zu zeigen, dass auch Superheldentum den Charakter verderben kann, wenn man nicht rechtzeitig die Supervision aufsucht, ist zu einer dramaturgischen Belastungsprobe geworden, der das feine Handlungsnetz aus realistischen und Comic-Elementen diesmal nicht standhält.
Nichts gegen (pseudo-)psychologischen Tiefgang! Im Gegenteil - eine Stärke der beiden vorangegangenen Spider-Abenteuer war sogar die Gebrochenheit und Bodenständigkeit des Protagonisten, der oft als Held wider Willen agieren musste. Doch wenn der nicht etwa von diversen Supergegnern, sondern von der zickigen Freundin, einem mobbenden Kollegen und seinen nagenden Selbstzweifeln überforderte Peter Parker in diesem Sequel mehrfach nachdenklich in seinem stillen, heruntergekommenen Kämmerlein sitzt und grübelt, ist das für einen Action-Comicfilm definitiv zu viel.
Die melodramatische und psychologische Dimension der Story, für die Sam Raimi ohnehin kein sonderlich geeigneter Regisseur ist, wirken gegenüber Witz, Spannung, Tempo, Action und Special Effects so übermächtig, dass sich vor lauter Entschleunigung zeitweise sogar Langeweile einstellt.
Umso verheerender, da in Spider-Man 3 (neben Parkers bestem Freund Harry Osborn, der sich vorübergehend zum Rächer seines im ersten Spider-Teil verstorbenen Vaters aufschwingt) gleich zwei Gegner mit übersinnlichen Fähigkeiten antreten: Der Sandmann, der aufgrund eines Unglücks seine leibliche Konsistenz verändern und sich in beliebig große und schlagkräftige Sandberge verwandeln kann, sowie den Reptilien-artigen Venom, den eine sirupartige, schwarze Masse unklarer Herkunft befallen hat, die zuvor schon beinahe Spider-Man selbst in einen gehässigen Unhold verwandelt hätte.
Die aufwändig choreographierten Actionsequenzen bilden zusammen mit einigen satirischen Szenen die raren Höhepunkte in diesem mit weitem Abstand schwächsten Teil der Spider-Man-Trilogie. MPH
USA 2006. Buch und Regie: Sam Raimi, Buch: Ivan Raimi, Alvin Sargant. Mit: Tobey Maguire, Kirsten Dunst, James Franco, Thomas Haden Church, Topher Grace. Sony Pictures. 139 Min. Ab 1. Mai 2007 im Kino.
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