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Sie sind ein schöner Mann


Nach dem plötzlichen Unfalltod seiner Frau Huguette sucht der französische Bauer Aymé (Michel Blanc) in erster Linie eine weibliche Hilfskraft für die Arbeit auf seinem Hof. Denn die Trauer nach dem Tod von Huguette hält bei Aymé nicht lange an – dafür hatte sich die Liebe im Laufe der Jahre schon zu sehr abgenutzt.

Außerdem fehlen urplötzlich zwei Hände, die sich um die häuslichen Pflichten kümmern, während der Bauer auf dem Acker schuftet. Über eine Partneragentur lernt er in Rumänien die junge Elena (Medeea Marinescu) kennen, die den Erstbesten heiraten würde, um ihrem sozialen Elend zu entkommen. Die junge Rumänin könnte eigentlich kaum gegensätzlicher sein als die Frau, die sich Aymé mehr für seinen Bauernhof als für das Ehebett wünscht.

In Bukarest träumt Elena von der Eröffnung einer eigenen klassischen Ballett- und Tanzschule. Doch die soziale Realität in Rumänien sieht anders aus, und so ergreift sie die Gelegenheit beim Schopf und macht sich die negativen Erfahrungen ihrer aufgetakelten Konkurrentin zu Nutze, um Aymé um den Finger zu wickeln und ihm nach Frankreich zu folgen. Vor Ort kommen dann zuhauf Probleme ans Tageslicht, denn Aymé möchte vor seinen Verwandten nicht eingestehen, dass er sich im Ostblock auf Brautschau begeben hat, und Elena trauert ihrer sechsjährigen Tochter nach, die sie dort zurücklassen musste.

Isabelle Mergault hat die simple Story mit so viel Herzblut, Raffinesse und köstlichem Witz inszeniert, dass man ihre gegensätzlichen Figuren schon nach kürzester Zeit ins Herz schließt. Vor allem in der ersten Hälfte ihres Filmes brennt sie ein wahres Feuerwerk der subtilen, aber wirkungsvollen Schmunzelgags ab, die sich aus dem Zusammenprall des weltfremden Landwirts und der hübschen Ersatz-Bäuerin ergeben.

Das beginnt schon auf der für Aymé nur mit Widerwillen durchgeführten Reise nach Osteuropa, bei der der einfache Mann zum ersten Mal ein Flugzeug von innen sieht. Die freundlicherweise mitgereiste schrille Agenturchefin muss Aymé zunächst noch erklären, dass man sich die Bonbons nicht in die Ohren stopft, sondern zum Druckausgleich beim Abflug lutschen sollte. Schon beim Rückflug kann der verschmitzte Bauer dann auftrumpfen und seine unlängst gelernte Lektion großspurig an die noch hinterwäldlerische Rumänin weitergeben.

Zur Halbzeit schlägt der Ton von Sie sind ein schöner Mann um, wenn überdeutlich wird, dass das Paar mit anderen Vorstellungen in die Partnerschaft gekommen war und eine gemeinsame Zukunft utopisch ist. Elena möchte endlich die Vorzüge des westlichen Überflusses genießen, fühlt sich von Aymé ausgenutzt und wäre viel lieber wieder bei ihrer kleinen Tochter, von der sie sich, wie sie in Telefonaten feststellen muss, merklich entfremdet.

Dieser Teil des Films ist zwar ein wenig konventioneller und vorhersagbarer geraten, schafft es aber durch das mitreißende Spiel von Michel Blanc (Die Verlobung des Monsieur Hire) und der reizenden Medeea Marinescu (aus dem Schauspielensemble des Nationaltheaters von Bukarest) trotzdem mühelos, sein Publikum bei Laune zu halten. Eine kleine, unspektakuläre, aber durch ihre Herzlichkeit und ihren Humor verzaubernde Filmperle. FB

F 2005 (Je vous trouve très beau) Regie und Buch: Isabelle Mergault. Mit: Michel Blanc, Medeea Marinescu, Wladimir Yordanoff, Eva Darlan, Benoît Turjman, Elisabeth Commelin, Valérie Bonneton. Movienet. 97 Min. Ab 8. Februar 2007 im Kino.

 

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