Dokumentar-Polemiker Michael Moore hat wieder zugeschlagen und sich dieses Mal mit dem Gesundheitssystem in den Vereinigten Staaten auseinandergesetzt.
Egal ob mit oder ohne Krankenversicherungen stehen die Patienten hier in vielen Fällen am Ende als die Dummen da, denn Profit geht vor Heilung.
Kaum ein anderer Dokumentarfilmer hat in den vergangenen Jahren seinem Genre zu solch einer enormen Popularität verholfen und ist gleichzeitig so kontrovers diskutiert worden wie Michael Moore. In seinen erfolgreichsten Filmen Bowling for Columbine und Fahrenheit 9/11 hat er kaum mehr ein gutes Haar an seinem Heimatland gelassen und insbesondere die republikanischen Regierungen scharf angegriffen.
Der gewiefte Filmemacher weiß schon im Vorfeld, wie sein nächstes dokumentarisches Werk aussehen wird und filmt und schneidet in Folge alles so zusammen, dass es seine Ausgangsthese belegt und als Großangriff auf die ausgewählte Zielscheibe funktioniert.
Das kann man Michael Moore denn auch zu Recht vorwerfen: Beim Filmen trägt er Scheuklappen, konzentriert sich auf die Negativbeispiele, die seine Attacken untermauern und klammert die Nachteile der von ihm favorisierten Gegenentwürfe aus. Aber bei noch kaum einem seiner bisherigen Filme ist auch so deutlich geworden, für wen er sein Werk primär konzipiert hat.
Es sind nämlich einzig und allein seine amerikanischen Mitbürger, die er mit Sicko aufrütteln will, denen er bewusst vor Augen führt, was am US-Gesundheitswesen nicht stimmt und was im Ausland hingegen besser gemacht wird. Deswegen ist sein Staunen über Fakten, die wir hierzulande als Selbstverständlichkeit hinnehmen, bisweilen etwas zu ausgedehnt und überdeutlich, wenn im Gegenzug Systeme und Gegebenheiten als allgemein bekannt vorausgesetzt werden, mit denen man so außerhalb der Vereinigten Staaten nicht vertraut ist.
Kann man sich mit der Zielgerichtetheit seiner Polemik und der überdeutlichen Adressierung an ein US-Publikum anfreunden, bietet auch diese neuerliche Nestbeschmutzung einem europäischen Zuschauer interessante Einblicke und nicht zuletzt humorvolle Unterhaltung. Denn kaum ein anderer Dokumentarfilmer versteht es so versiert wie Michael Moore, „found footage“ und Popsongs aus der privaten Plattensammlung dermaßen witzig und pointiert einzusetzen und damit seine Thesen peppig und treffsicher zu unterstreichen. FB USA 2007. Regie und Buch: Michael Moore. Mit: Michael Moore, Reggie Cervantes, John Graham, Linda Peeno, William Maher. Senator. 116 Min. Ab 11. Oktober 2007 im Kino.
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