
In den deutschen Großstädten könnte die Anzahl der Singlehaushalte wohl kaum größer sein – je mehr Menschen sich an einem Ort begegnen können, desto schwieriger scheint es zu werden, sich dort wirklich zu finden.
Vielleicht liegt das an einem übergroßen Angebot, aus dem man nur schwerlich den passenden Partner für sich herauspicken kann, weil man ständig auf jemand noch Besseren wartet. Noch eher könnte man die generelle Anonymität für diese Begegnungsblockaden verantwortlich machen, denn in Berlin oder München lässt sich trefflich zwischen hunderten von Menschen leben, ohne dass die eigene Einsamkeit dabei erkannt wird.
Ralf Westhoff, der bereits mit seinem originellen Kurzfilm Der Plan des Herrn Thomaschek im Jahr 2002 auf sich aufmerksam machte, hat sich nun in seinem ersten Spielfilm dieses typischen Großstadtproblems des 21. Jahrhunderts angenommen und mit Shoppen ein witziges und temporeiches Statement zu der Frage des Singledaseins und den Möglichkeiten, einen Partner zu finden, abgeliefert.
Im Mittelpunkt steht das Treffen von achtzehn beziehungswilligen Singles, die mit Hilfe eines Speed Datings endlich in den Hafen der Zweisamkeit einlaufen möchten. Zunächst führt Westhoff die neun Frauen und neun Männer in kleinen Alltagsskizzen in den Film ein, bis sie sich schließlich allesamt in einem spartanisch eingerichteten Zimmer gegenübersitzen und jeweils fünf Minuten Zeit haben, sich zu beschnuppern. Dann pocht der Veranstalter auf einen Platzwechsel und die neu entstandenen Doppel haben abermals fünf Minuten Zeit, um sich mit Fragen zu löchern und etwas vom Gegenüber in Erfahrung zu bringen, was entweder für oder gegen ein Treffen danach spricht. Diesen zweiten Begegnungen, die lediglich bei gegenseitiger Sympathie stattfinden, widmet sich der Film schließlich im letzten Drittel, in dem noch einiges anders kommt, als man zunächst vermutet hätte.
Shoppen ist mit einigen der viel versprechendsten Nachwuchsdarsteller der Münchner Theaterszene besetzt, mit Schauspielern also, die dem bundesdeutschen Kinozuschauer weitgehend unbekannt sein dürften. Auch damit gelingt es Drehbuchautor und Regisseur Ralf Westhoff, sein Publikum an den breit gestreuten Figuren und Geschichten Anteil nehmen zu lassen – mit bekannten Stars in den Hauptrollen wäre das wohl deutlich schwieriger gewesen.
So kann man sich selbst oder Menschen, die man kennt, in der einen oder anderen Rolle wieder entdecken. Da gibt es den alles akkurat erledigenden Unternehmensberater, das hübsche Mädel mit Torschlusspanik, den in Umweltdingen hypersensiblen Öko, die dauerquasselnde Zugezogene, den anhänglichen Softie oder die selbstbewusste Aufreißerin.
Natürlich kommt es bei so vielen Figuren, die im Eiltempo vorgestellt werden müssen, zu einigen unvermeidlichen Stereotypen. Aber das machen die spritzigen Dialoge und das größtenteils erfrischend unverbrauchte Spiel der Darsteller schnell wieder wett. Hinzu kommen ein vorzüglicher Schnitt, der auch die Situationskomik so mancher Blicke sekundengenau auszukosten versteht, und ein inszenatorischer Schwung, der bei Debütfilmen selten zu beobachten ist. FB D 2006. Regie und Buch: Ralf Westhoff. Mit: Sebastian Weber, Anna Böger, Felix Hellmann, Katharina Schubert, David Baalcke, Julia Koschitz, Thomas Limpinsel. X-Verleih. 90 Min. Ab 3. Mai 2007 im Kino.
> Offizielle Filmseite (Deutschland)
|
|