Im Herbst 2006 gaben die legendären Rockmusiker The Rolling Stones im New Yorker Beacon Theatre drei Konzerte, u.a. zu Ehren des 60. Geburtstags von Ex-US-Präsident Bill Clinton.
Musikexperte und Stones-Liebhaber Martin Scorsese hat die Mitschnitte zu einem Musikfilm der etwas anderen Art gemacht. Von ihm kann man natürlich auch etwas Besonderes erwarten. Schon mit 'The Last Waltz' oder 'No Direction Home' hat Scorsese amerikanischen Rocklegenden ein Denkmal gesetzt; mit der von ihm initiierten und produzierten Reihe „The Blues“ hat er das Genre der Musikdokumentationen abermals bereichert. Wenn er sich nun seiner erklärten Lieblingsband, den weltbekannten Rolling Stones, annimmt, deren Songs auch in Scorseses Spielfilmen stets an dramaturgisch wichtigen Stellen eingesetzt wurden, kann man schon ein bestechendes Ergebnis erwarten.
Die Auftaktsequenz ist schon zum Brüllen komisch, prallen darin mit Scorseses Vorstellungen und Mick Jaggers Ansichten zwei konträre und scheinbar unvereinbare Egos aufeinander. Wie Scorsese diese haarsträubende Organisation als Ausgangspunkt für die gemeinsame Arbeit an dem Filmprojekt 'Shine a Light' schildert, hat eine ganze Menge vom verspielten Witz seines New Yorker Regiekollegen Woody Allen, dem Scorsese nicht nur durch die dicke Hornbrille zu ähneln scheint. Sobald jedoch die chaotische Vorbereitungsphase hinlänglich dokumentiert ist, widmet sich der Regisseur voll und ganz seinem lohnenswerten Dokumentationsgegenstand, den Rolling Stones.
Diese ziehen während ihrer Performance eine dermaßen energiegeladene und musikalisch mitreißende Show ab, dass so mancher jüngere Musikerkollege, der noch nicht auf 40 Jahre Konzertleben zurückblicken kann, vor Neid erblassen dürfte. Scorsese hat an geeigneten Stellen immer wieder ältere Interviewpassagen der Bandmitglieder zwischengeschnitten, in denen diese sich mal in den frühen 60er Jahren noch ein gutes weiteres Jahr in der Entertainmentbranche prophezeien, oder sich mal in den 70er Jahren durchaus zutrauen, auch mit 60 Jahren noch den gleichen Beruf auszuüben. Dass ihnen das mittlerweile auf geradezu beeindruckende Weise gelungen ist, wissen Fans natürlich schon lange. 'Shine a Light' legt davon aber einmal mehr ein beredtes Zeugnis ab. Frank Brenner USA/GB 2008. Regie: Martin Scorsese. Mit: Sir Mick Jagger, Keith Richards, Ronnie Wood, Charlie Watts, Martin Scorsese, Jack White, Buddy Guy, Christina Aguilera. Kinowelt. 122 Min. Ab 4. April 2008 im Kino.
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