Was könnte die Popcorn-Generation und wichtigste Kinozielgruppe dazu bringen, sich ein Kostümdrama am englischen Hofe des 16. Jahrhunderts anzuschauen?
Klar, Stars wie Natalie Portman oder Scarlett Johansson haben enorme Zugkraft bei dieser Klientel. Aber es benötigt noch mehr, die Geschichte muss ebenfalls stimmen. Und da hat Justin Chadwick, bislang nur als Serienregisseur fürs britische Fernsehen in Erscheinung getretener Spielfilmdebütant, wahrlich gute Karten im Ärmel.
Das Macht- und Ränkespiel um die Gunst des Königs Heinrich VIII. hat dasselbe dramatische Potenzial wie so manche Soap Opera des Fernsehens, und in Chadwicks Inszenierung werden sicherlich auch die Teenager genügend Ansatzpunkte für sich entdecken, die sie der historischen Produktion nahe bringen.
Die auf einem Roman Philippa Gregorys beruhende Story fokussiert die Familie Boleyn, die geradezu versessen darauf ist, ihre gesellschaftliche Stellung aufzuwerten. Der Herzog von Norfolk versucht mangels eigener Kinder, seine Nichte Anne Boleyn in der Gunst König Heinrichs aufsteigen zu lassen. Der Plan gelingt nur teilweise, denn das Herz des Königs entflammt stattdessen für Annes jüngere Schwester Mary, die er als Mätresse an seinen Hof holt. Zwischen den beiden jungen Frauen herrscht daraufhin ein handfester Zickenkrieg, der sich noch verschärft, als Heinrichs Interesse an Mary doch wieder schwindet und er stattdessen Anne den Hof zu machen beginnt.
Liebe, Lust, Leidenschaft, Macht, Mord und Intrigen bestimmen das mittelalterliche Kostümdrama und machen es somit zu einem überaus spannenden Ränkespiel, das auch die jüngere Generation mit Leichtigkeit ansprechen wird. Man muss noch nicht einmal ein ausgesprochener Liebhaber historischer Stoffe sein, um an den emotionsgeladenen Verwicklungen dieses Films seinen Spaß zu haben. Thomas Steffens GB 2007 (The Other Boleyn Girl) Regie: Justin Chadwick. Buch: Peter Morgan. Mit: Natalie Portman, Scarlett Johansson, Eric Bana, David Morrissey, Kristin Scott Thomas, Mark Rylance, Jim Sturgess. Universal. 114 Min. Ab 6. März 2008 im Kino.
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