Johannes, Doktorand am Lehrstuhl für Virologie der Technischen Universität in München, wird von einer Mitarbeiterin des Verfassungsschutzes angesprochen. Die Frau bittet Johannes um Auskünfte über seinen Kollegen, den algerischen Wissenschaftler Farid.
Johannes hält Verdächtigungen gegenüber Farid für hanebüchen und erwehrt sich vorerst der Mitarbeit, die Frau bleibt aber fortdauernd mit ihm in Kontakt.
Die beiden Wissenschaftler arbeiten mit unterschiedlichen Ansätzen am selben Projekt, der höfliche Algerier ist offen und hat scheinbar keine Geheimnisse. Doch Johannes ist bereits durch die geäußerten Verdächtigungen befangen: Unterhaltungen Farids auf Arabisch mit Kommilitonen und sein taktisches Talent beim Ego-Shooter-Game wecken bei Johannes erste Zweifel. Konkurrenzsituationen an der Uni und in Liebesdingen verleihen Verdachtsmomenten zusätzliche Dimensionen.
Das Leben der Anderen thematisierte gerade Überwachung und Verrat in der DDR. Regisseur Benjamin Heisenberg setzt sich hier mit einer aktuelleren Form des Denunziantentums auseinander, der auf der Angst vor islamischem Terror fußt, aber vor allem durch Einwirkung Dritter manipuliert und verstärkt wird.
Gegenstand ist nicht der Verfassungsschutz als Apparat, Heisenberg interessiert die Manipulierbarkeit der Bevölkerung in der Figur seines unauffälligen Protagonisten, der sich demokratisch gefestigt und vorurteilsfrei belanglosen Verdachtsmomenten öffnet und aus gekränktem Stolz einen verräterischen, und noch viel schlimmer: nachvollziehbaren Egoismus entwickelt.
Heisenberg verpackt seine Geschichte unaufdringlich: Musik setzt er spärlich, aber akzentuiert ein, die Kamera folgt als langsamer Zoom oder geschultert in langen Einstellungen, was die Rezeption gelungen intensiviert. HE
D/A 2005. Regie und Buch: Benjamin Heisenberg. Mit Bastian Trost, Mehdi Nebbou, Loretta Pflaum, Gundi Ellert, Wolfgang Pregler, Charlotte Eschmann. Zorro. 105 Min. Ab 11. Mai 2006 im Kino.
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