
In körnigem Schwarz-Weiß spielt sich eine Szene auf der Leinwand ab, die man zunächst für einen Ausschnitt aus einem antiquierten Tonfilm halten könnte. Doch diese Anfangsszene, in der eine Wahrsagerin dem Amerikaner Chester Kent (Mark McKinney) ein grausames Ende prophezeit, ist stilgebend für den gesamten Film.
Wir befinden uns in einem fiktiven Kanada des Jahres 1933. Die Weltwirtschaftskrise greift um sich, die Prohibition verbietet dem Volk, ihren Frust im Alkohol zu ertränken. Was liegt da näher, als passend zur Großen Depression den traurigsten Song der Welt zu suchen?
Der Gewinner erhält Reichtum und ein Bad in Bier. Die Bierbaronin Helen Port-Huntley (Isabella Rossellini), die den Wettbewerb ausruft, hat bei einem Unfall beide Beine verloren. Eine Begebenheit, bei der Chester Kent nicht ganz unbeteiligt war. Helen ist aber noch immer in den schmierigen Kapitalisten verliebt. Er hat also leichtes Spiel, als er mit seiner Muse Narcissa (Maria de Medeiros) für die Amerikaner antritt.
Doch neben den zahlreich angereisten Künstlern aus aller Welt, bekommt er auch Konkurrenz von seinem Vater und seinem Bruder Roderick, der ins serbische Exil gewandert war und nun als Gavrillo der Große zurückkehrt, die Welt das Weinen zu lehren.
Skurril, artifiziell und durchgeknallt ist The Saddest Music in the World eine verschrobene Hommage an die Stummfilmklassiker der Zwanziger und Dreißiger Jahre. Die Kritik am Kommerz Hollywoods ist offensichtlich. Guy Maddin, der bereits über dreißig Kurz- und Langfilme inszenierte, kennt seine Feinde ebenso wie seine Vorbilder. Und die tragen Namen, wie Eisenstein, Murnau und von Sternberg. Wer sich hier zuhause fühlt, wird auch Maddins Tribut zu schätzen wissen. Alle anderen fühlen sich wahrscheinlich überfordert. LT
CDN 2003. Regie und Buch: Guy Maddin. Buch: George Toles. Mit: Isabella Rossellini, Maria de Medeiros, Mark McKinney, David Fox, Ross McMillan. Weltecho. 99 Min. Ab 7. Dezember 2006 im Kino. |
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