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Die Queen


Eigentlich müsste dieser Film nicht Die Queen heißen, sondern vielmehr „Die Königinnen“. Denn hier spielt die geborene Diana Frances Spencer als „Königin der Herzen“ eine zumindest genauso wichtige Rolle wie die Protagonistin Elizabeth II.

Genaugenommen arbeitet der Film anhand dieser beiden so unterschiedlichen Frauen und ihrer jeweiligen Rolle in der Öffentlichkeit den unüberbrückbaren Graben heraus, der das Leben im engen Korsett höfischer Etikette von dem einer „Normalsterblichen“ trennt. Das strenge, historische Protokoll im Königshaus konkurriert mit dem wahren, modernen Leben – ein Widerspruch, dem man vor allem in England tagtäglich die spannendsten und mitunter kuriosesten Aspekte abzugewinnen versteht.

Lady Diana war für die Gazetten rund um den Globus jahrzehntelang eine wahre Offenbarung: Ihre Hochzeit mit Prinz Charles und die folgende Aufnahme in die Königsfamilie waren der Stoff, aus dem Mädchenträume auch heute noch gerne gesponnen werden. Die Geburt der beiden Thronfolger und schließlich ihre Probleme mit Mann, Schwiegermutter und Familienclan, ließen den ständigen Informations- und Sensationshunger der britischen Öffentlichkeit nie wirklich versiegen. Den Höhepunkt erreichte das Interesse schließlich in der Schlammschlacht rund um die Scheidung. Die schüchterne Prinzessin büßte während dieser Jahre kaum an Faszination ein – wurde durch ihren schillernden Lebensweg aber auch zu einer der meistfotografierten und damit öffentlichsten Personen auf diesem Globus.

Regisseur Stephen Frears, der mit Filmen wie Mein wunderbarer Waschsalon, Sammy und Rosie tun es, Fish & Chips, The Snapper, Gefährliche Liebschaften und jüngst Lady Henderson präsentiert sowohl den verschiedensten Genres wie auch den unterschiedlichsten sozialen Schichten stets interessante Blickwinkel abgewinnen konnte, widmet sich in Die Queen einer zeitlich recht klar umrissenen Phase: der Woche zwischen Dianas Unfalltod 1997 und ihrem Begräbnis. Die Königin verweigerte nach der Tragödie – zumindest zunächst – jede öffentliche Stellungnahme, lehnte es ab, den Aufenthalt in der Sommerresidenz vorzeitig zu beenden und stemmte sich vehement gegen ein offizielles Begräbnis. Die kollektive Erschütterung in der britischen Öffentlichkeit stürzte in Anbetracht dieser als hartherzig wahrgenommenen Haltung die Monarchie in eine ernst zu nehmende Krise.

Die Idee zu Die Queen entstand, als das Team um Regisseur Stephen Frears, Drehbuchautor Peter Morgan und Hauptdarsteller Michael Sheen in der erfolgreichen TV-Produktion The Deal die Geburt von New Labor beleuchteten. Mit ihrem Hauptcharakter Tony Blair scheinen sich die drei dabei so intensiv beschäftigt zu haben, dass sie die Handlung von Die Queen quasi aus dessen vermeintlicher Perspektive heraus schildern. Dieser hier äußerst hemdsärmelig dargestellte Mann aus dem Volk, der plötzlich Premierminister wird, entwickelt – stellvertretend für den Zuschauer – nach und nach Verständnis für die verqueren Handlungsmuster und die seltsamen Sichtweisen, die in Windsor Castle das Leben bestimmen. Schlägt auch ihm von dort erst einmal nur blasierte Arroganz entgegen, lernt er Stück für Stück die gegenseitigen Abhängigkeiten für sich zu nutzen und mutiert dabei am Ende gar zum Retter der konstitutionellen Monarchie. AW

GB/F/I 2006. Regie: Stephen Frears. Buch: Peter Morgan. Mit: Helen Mirren, Michael Sheen, James Cromwell, Helen McCrory, Alex Jennings, Roger Allam, Sylvia Syms. Concorde. 97 Min. Ab 11. Januar 2007 im Kino.