Eine Alltagsgeschichte aus dem Prostituiertenmilieu? Na ja, denkt man, das hat man doch schon dutzende Male gesehen (zuletzt in Dominik Grafs Hotte im Paradies ).
Doch Princesas entpuppt sich als originelle Überraschung. Das beginnt schon damit, dass Drehbuchautor und Regisseur Fernando León de Aranoa das Hurenmilieu nicht effekthascherisch oder voyeuristisch schildert, sondern als alltäglichen Teil einer zivilisierten Welt, in der eine sexuelle Dienstleistung nur graduell aus dem Rahmen des gesellschaftlichen Großstadtlebens fällt.
Gleichwohl werden die Schattenseiten des Gewerbes nicht ausgespart, Gewalt und Drogenkonsum aber nur indirekt gezeigt. Der völlige Verzicht auf schmierige Zuhälter-Figuren oder rot leuchtende Bordelle mag gefiltert erscheinen, doch der Film erlaubt sich, die Prostituierten nicht als permanente Opfer zu schildern, sondern als selbstbewusste, im gewissen Sinne sogar emanzipierte Frauen – eben als „Prinzessinnen“ der besonderen Art.
Im Mittelpunkt steht eine Gruppe von Prostituierten, die sich regelmäßig in einem Friseursalon trifft, um zu tratschen wie Fabrik- oder Büroangestellte. Auch die aus einem bürgerlichen, ja, spießigen Hause stammende Caye (Candela Peña) lästert bevorzugt über ihre Kunden oder die Konkurrentinnen aus Afrika und Übersee, die sich aus der Not so viel billiger als die etablierten Spanierinnen der Laufkundschaft anpreisen.
Doch aus der frechen Caye und der von Abschiebung bedrohten Zulema (Micaela Nevárez) entwickelt sich alsbald eine ungewöhnliche Komplizenschaft, die vorübergehend Trost stiftet. Die hohen, psychischen Kosten, die beide Frauen für ihr Arbeitsmotiv, schnell zu Geld zu kommen, entrichten müssen, werden dadurch aber kaum gemindert.
Viel verdankt der erstaunlich leicht wirkende Film den grandiosen Schauspielerinnen, die für ihre zwischen Trotz und Verletzlichkeit flirrenden Interpretationen in diesem Jahr zu Recht die spanischen Goya-Filmpreise erhielten. MPH
E 2005. Regie und Buch: Fernando León de Aranoa. Mit: Candela Peña, Micaela Nevárez, Mariana Cordero, Llum Barrera, Violeta Pérez, Monica Van Campen, Flora Àlvarez. Piffl. 113 Min. Ab 4. Januar 2006 im Kino.
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