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Planet Terror


Erstens: Wenn du einen Film machen willst, dann mach einen Film. 2. Hol aus dem Minimum an Möglichkeiten das Maximum heraus. 3. Ein Low-Budget-Film darf nicht billig aussehen.

Dies und mehr Wissenswertes erfahren wir von Robert Rodriguez im DVD-Kommentar zu seinem 7.000-$-Ballerfilm El Mariachi von 1991, der ihm den Weg nach Hollywood eröffnete. Jetzt hat Rodriguez ein Maximum an finanziellen Möglichkeiten und liefert zusammen mit Quentin Tarantinos Death Proof – Todsicher ein Low-Budget-Double-Feature, das billig aussieht.

Das gelungene Experiment ist die Verneigung der beiden Kultregisseure vor den Exploitationfilmen, die zwischen den 60ern und 80ern die Kinoleinwände mit derbem Trash, unfreiwilligem Humor und aus heutiger Sicht unzumutbaren Rezeptionsbedingungen heimsuchten. Eigenschaften, die ihnen Kultstatus verliehen. Das mit eigens produzierten Trash-Trailern angereicherte Doppel der seelenverwandten Regisseure wurde für den europäischen Markt schon bald gecancelt, nun erscheinen beide Filme einzeln und in längeren Fassungen auf den deutschen Leinwänden.

Der Versuch, das Publikum via Death Proof und Planet Terror mit intendierten Inszenierungsfehlern und inszenierten Zelluloidmängeln in die Kinos zu locken, scheiterte in den USA: Tonschwankungen, eine krisselige Projektion, dramaturgische Ungereimtheiten, schlechte Special Effects, verfärbtes Bildmaterial oder auch mal das Fehlen einer kompletten Filmrolle – wer bezahlt dafür heutzutage auch Eintritt?

Die Generation, die in den letzten dreißig Jahren herangewachsen und den charmant miefigen Schachtelkinos entwachsen ist und vielmehr vom technischen Höchststandard der Multiplexe verwöhnt wurde? Wohl eher nicht. Wer sich Kino aus dem Internet zieht, den wird man kaum mit derlei Gut ins Lichtspielhaus locken. Es sei denn, man ist dem Kino mit Herzblut verbunden, wie beispielsweise Robert Rodriguez.

Der Texaner erfüllt sich mit Planet Terror den lang gehegten Wunsch, einen Zombiefilm zu drehen. Nur erhebt er sein wie erwartet blutdurchtränktes und abgedrehtes Vorhaben zur Ode an den schäbigen Grindhouse-Look, und bei Planet Terror braucht sich der Inhalt fürwahr nicht hinter der Form zu verstecken: Im texanischen Hinterland entweichen Kampfgase und verwandeln Menschen in Zombies. Der Sheriff, Gauner El Wray, Stripperin Cherry Darling (Rose McGowan mit MG-Bein-Prothese) und Ärztin Dakota setzen sich zur Wehr und stehen dabei der Unerbittlichkeit der Untoten in nichts nach. Mehr braucht hier zum Inhalt nicht gesagt zu werden.

Robert Rodriguez, dem Trash von jeher noch mehr verhaftet als Quentin Tarantino, geht die Sache ähnlich augenzwinkernd an wie die meisten Zombiefilme der letzten Jahre, und er kommt dabei aus dem Zitieren nicht mehr heraus. Selbst Tarantino gibt ein Stelldichein als Vergewaltiger und darf das gleiche Schicksal erleiden wie einst als Psycho Richard Gecko in From Dusk Till Dawn. Das größte Zitat aber bleibt die Form. Genüsslich tränkt Rodriguez das Geschehen im 70er-Mief und durchsetzt seinen Film mal willkürlich, mal akzentuiert mit den genannten Projektionsmängeln und straft dabei diejenigen Lügen, die behaupten, unfreiwilliger Humor ließe sich nicht inszenieren.

Seine Stärke bleibt nur auch die größte Schwäche des Streifens, schließlich lässt es sich erst so richtig über das Zitat schmunzeln, wenn man das Original kennt. Das mag für die Kinokasse von Nachteil sein, der Qualität dieses witzigen Streifzugs durchs Genre tut das indes keinen Abbruch. Das schlimmste, was diesem Film passieren kann und ihm in Amerika sicherlich schon passiert ist, wäre zu sagen: Diesen Schrott braucht man nicht im Kino zu sehen. Denn nur dort gehört er hin. Wer das nicht so sieht, mag bereits hoffnungsvoll auf eine DVD-Veröffentlichung spekulieren, die die Hochglanzfassung enthält. Dann packt aber bitte auch die Kinofassung mit Mono-Sound drauf: Der Ton nämlich beschallt das Kino zu Planet Terror digital in 5.1. Und das erscheint ähnlich inkonsequent wie der fehlbesetzte, weil zu hochkarätige Auftritt von Superstar Bruce Willis. Ansonsten aber stimmt hier wirklich alles (nicht). HE

USA 2007. Regie und Buch: Robert Rodriguez. Mit: Rose McGowan, Freddy Rodriguez, Michael Biehn, Jeff Fahey, Josh Brolin. Senator. 102 Min. Ab 2. Oktober 2007 im Kino.

 

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