Guillermo del Toro ist ein absoluter Geek, ein kleiner rundlicher Mann mit Brille, Fan von Comicheften und Horrorfilmen und ein Kind im Geiste. Seine Verfilmung von Mike Mignolas Hellboy gehört unter Fans zu den besten Comicadaptionen weit und breit.
Trotz des überraschenden weltweiten Erfolgs blieb sich del Toro treu und ging zurück nach Spanien, um sein lang gehegtes Traumprojekt zu realisieren und dort anzuschließen, wo er vor seinem Aufbruch nach Hollywood aufgehört hatte. Ähnlich wie bei The Devil’s Backbone, der es hierzulande nur zu einer DVD-Veröffentlichung brachte, sehen wir auch in Pans Labyrinth die Grausamkeit in Francos Spanien durch die magischen Augen eines Kindes.
Diesmal steht die junge Ofélia im Mittelpunkt der Geschichte. Gemeinsam mit ihrer Mutter zieht sie 1944 in das Haus ihres neuen Stiefvaters, dem skrupellosen General Vidal, der auf unmenschliche Art gegen die letzten erbittert kämpfenden Partisanen vorgeht. Ofélias Mutter ist derweil schwanger und hat wenig Kraft, sich um ihre Tochter zu kümmern.
Also macht sich das Mädchen selbst auf den Weg, die Gegend zu erkunden. Dabei stößt sie auf ein altes Heckenlabyrinth im Garten des Hauses. In seinem Inneren trifft sie auf einen Faun, der ihr offenbart, dass sie die verschollene Prinzessin eines magischen Königreichs ist. Um wieder in ihre eigentliche Heimat zu gelangen, muss sie einige gefährliche Aufgaben bewältigen, die sie in den Bau einer riesigen Kröte und in das Reich Furcht einflößender Kreaturen führen. Zur gleichen Zeit wird auch ihr irdisches Dasein bedroht, als sich der Kampf gegen die Aufständischen zuspitzt und es Ofélias Mutter zunehmend schlechter geht.
Keine Frage: Pans Labyrinth ist ein düsteres Genrestück. Zu brutal für Kinder und für viele Erwachsene mit Sicherheit zu verträumt. Daher wird er es an den Kinokassen sicher schwer haben. Doch was die Kritiker in aller Welt in dem Märchen für Erwachsene sehen, was ihm 22 Minuten Applaus beim Filmfest in Cannes eingebracht hat und ihm einen Oscar als nichtenglischsprachiger Film einbringen könnte, ist del Toros einmalige Art, die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Er kreiert eine eigene Welt vor ihren Augen, deren Wurzeln in unserer Geschichte fußen, die mit den Wipfeln aber in die Sphären antiker Sagen und Märchen reicht. Sein Reich ist grausam und visuell grandios, versponnen und verspielt und definitiv nichts für Kinder, obwohl sie del Toros Geiste am nahesten stehen.
Ursprünglich als Debüt des mexikanischen Regisseurs gedacht, konnte er seinen Traum nach dem Erfolg von Hellboy nun endlich adäquat realisieren. Dabei sieht man es Pans Labyrinth nicht im Geringsten an, dass viele Einstellungen mit Hilfe des Computers realisiert wurden. Es sind die vielen Details, die fantastischen Masken und die erneut großartige Kameraarbeit seines langjährigen Weggefährten Guillermo Navarro (From Dusk Till Dawn), die del Toros Welt Leben einhauchen.
Das Gesamtkunstwerk und das packende, nie vorhersehbare Drehbuch lohnen also auch den Kinobesuch für alle, die offen sind für eine neue Erfahrung. Eine gewisse Bereitschaft für diese Erfahrung und gute Nerven sollte man aber schon mitbringen. Dann verzaubert der Faun auch Sie. LT
E/MEX/USA 2006 (El Laberinto del Fauno) Regie und Buch: Guillermo del Toro. Mit: Sergi López, Maribel Verdú, Ivana Baquero, Doug Jones, Ariadna Gil, Álex Angulo, Roger Casamajor. Senator. 112 Min. Ab 22. Februar im Kino.
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