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Once


Ab und zu gibt es sie doch, diese kleinen Independent-Wunder, die zunächst unbemerkt in einem Meer aus hoch gezüchteten, Hunderte Millionen Dollar schweren Hollywood-Produktionen treiben, die im Special-Effects-Wahn das wichtigste Element eines guten Films vergessen – die Story.

Doch dann spricht sich die Qualität dieser Kleinode herum und ehe man sich versieht, haben sie bereits ein Vielfaches ihrer minimalen Produktionskosten eingespielt. So geschah es auch bei der Musiker-Romanze Once.

Doch hierbei handelt es sich nicht um eine durch Internet-Marketing oder Publicity-Stunts aufgeblasene US-Produktion. Dies ist kein neues Blair Witch Project oder Saw. Dieser Film besticht durch seine Aufrichtigkeit und Authentizität. Man fühlt sich als Kinogänger nicht als Zielgruppe behandelt. Once ist, was es ist: ein Liebesvirus, der höchst ansteckend wirkt. Nun kommt er mit medialem Rückenwind auch in unsere Kinos.

Dabei ist alles so simpel. Once bedarf nicht mehr, als einer Handkamera und zweier Schauspieler, die nicht mal welche sind und erzählt eine wundervoll warmherzige Liebesgeschichte, die eigentlich keine sein will. Aber wenn die namenlosen Protagonisten im Drehbuch schon als „The Guy“ und „The Girl“ bezeichnet werden, ist klar, wohin die Reise geht. Er (Glen Hansard) ist ein Busker – ein Straßenmusiker, der sich mit seiner Gitarre mehr schlecht als recht durchs quirlige Leben auf Dublins Straßen schlägt. Die Trennung von seiner Freundin ist noch frisch. Um sich abzulenken repariert dieser „Broken-Hearted Hoover Fixer Sucker Guy“ für seinen Vater Staubsauger in dessen Kellerwerkstatt. Sie (Markéta Irglová) ist eingewandert, kommt gerade mit ihrer kleinen Tochter und ihrer Mutter aus Tschechien. Der Kindsvater ist in der Heimat geblieben, die Trennung ist frisch, sie will sich alleine durchschlagen. Viel bringen ihr der Verkauf von Rosen auf der Straße und die Arbeit als Putzfrau jedoch nicht ein. Es reicht gerade so fürs Leben. Das Klavier im Musikladen an der Ecke, das sie in den Mittagsstunden immer nutzen darf, wird wohl ewig dort auf sie warten müssen. Trotzdem beklagt sie sich nicht, strahlt wie die Sonne selbst und nur selten schimmert ein wenig Traurigkeit durch ihre Lebenslust. Sie mag seine Musik, er will mit ihr ins Bett, sie hat einen kaputten Staubsauger, er ein paar Songs, an denen er arbeitet. Sie landen am Klavier im Musikladen – und nie in den Kissen, denn Sex würde alles ruinieren in dieser fragilen Liebesgeschichte. Sie begeistern und inspirieren sich gegenseitig mit ihren Songs und Ideen. Ihr Enthusiasmus ist ansteckend. Sie suchen sich eine Band zusammen, aus befreundeten Straßenmusikern und mieten ein Studio für ein Wochenende. Mit der CD will er nach London, wo seine Ex nun lebt, um ihr, aber vor allem sich selbst zu beweisen, wozu er in der Lage ist.

Aber an dieser Stelle sind Guy und Girl natürlich längst ein Paar – sie wissen es nur noch nicht. Wie John Carney und seine Schauspieler mit dieser Gewissheit spielen, ist herzerwärmend. Sicher auch, weil die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern mehr als gut funktioniert. Glen Hansard ist eigentlich ein irischer Singer/Songwriter und hat es in der Heimat mit seiner Gruppe The Frames bereits zu einem gewissen Bekanntheitsgrad gebracht. Seine schauspielerische Erfahrung beschränkte sich auf die Rolle des Gitarristen in Alan Parkers The Commitments. Hansard sollte zunächst nur den Soundtrack für seinen alten Wegbegleiter John Carney schreiben.

Carney selbst war früher Bassist der Frames, bevor er sich dem Film zuwandte und u.a. den wundervollen Over the Edge schuf, der Cillian Murphy zum Durchbruch verhalf. Der sollte eigentlich die Hauptrolle übernehmen, lehnte aber aus verständlichen Gründen ab und Hansard übernahm den Part. Für die weibliche Hauptrolle schlug er die damals 17jährige Markéta Irglová vor, mit der er bereits einige Songs geschrieben hatte. Nach gerade mal 17 Drehtagen war alles im Kasten, die Stimmung gut, aber die kommerziellen Erwartungen gering.

Der eigentliche Siegeszug begann mit einer Einladung zum Sundance-Festival. Es folgten Liebeserklärungen der amerikanischen Filmkritik und die öffentliche Adelung u.a. durch Spielberg und Dylan. Das schönste Happy Ending ist aber wohl, dass Hansard und Irglová nun auch privat ein Paar sind. Die schönsten Geschichten schreibt halt immer noch das Leben. LT

IR 2007. Regie und Buch: John Carney. Mit: Glen Hansard, Markéta Irglová, Hugh Walsh, Gerry Hendrick, Alastaire Foley, Geoff Minogue, Bill Hodnett. Kinowelt. 85 Min. Ab 17. Januar 2008 im Kino.

 

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