Mr. Shi hat sich dazu entschlossen, seine seit Jahren in den USA lebende Tochter Yilan zu besuchen, nachdem er selbst Witwer geworden ist. Seine Tochter steckt im Berufsleben und will sich ihrem Vater privat nicht wirklich öffnen. Im Park trifft der Chinese auf eine gleichaltrige Iranerin.
Eine ähnliche Thematik hatte auch Doris Dörrie jüngst in ihrem Film 'Kirschblüten – Hanami' angesprochen. Dort war es ebenfalls ein in die Jahre gekommener Mann, der sich nach dem Tod seiner Frau in das ihm fremde Land begibt, in das sein Sohn dereinst ausgewandert war. Vor Ort muss er sich darüber klar werden, dass es nicht nur die räumliche Distanz war, die Vater und Sohn voneinander getrennt hatte.
In Wayne Wangs 'Mr. Shi und der Gesang der Zikaden' kommt hinzu, dass der chinesische Vater des Englischen nicht besonders mächtig ist, seine Tochter Yilan sich aber gerade für diese Sprache als bevorzugtes Kommunikationsmittel entschieden hat, weil es ihr ihrerseits nicht möglich ist, Emotionen in ihrer Muttersprache zum Ausdruck zu bringen. Auch hier klaffen zwischen den Generationen scheinbar unüberbrückbare Gräben, zumal einige Vorkommnisse aus der Vergangenheit unausgesprochen auf der Beziehung lasten. Das Phänomen der Sprachlosigkeit und der Verständigungsmöglichkeiten auch jenseits einer gemeinsamen gesprochenen Sprache stellen deswegen die zentralen Themen in Wayne Wangs neuem Film dar.
Es ist sehr erfreulich, dass der einstige Kultregisseur ('Smoke') nach Jahren der Bedeutungslosigkeit ('Manhattan Love Story', 'Noch einmal Ferien') nun endlich wieder zu seinem frischen, unterhaltsamen und originellen Erzählstil zurückgefunden hat. Die bezauberndsten Momente seiner Verfilmung einer Kurzgeschichte von Yiyun Li liefern fraglos die Szenen im Park, in denen Mr. Shi die Bekanntschaft mit einer weiteren Immigrantin macht, einer etwa gleichaltrigen Iranerin. Beide Senioren sind der englischen Sprache nicht allzu gut mächtig, können sich aber in einem Kauderwelsch aus Englisch, Chinesisch und Persisch doch miteinander verständigen und feststellen, dass sie auf einer Wellenlänge liegen. Die Aussprache zwischen Vater und Tochter bedarf hingegen wesentlich größerer Anstrengungen und mehr Geduld. Ein ruhiger, sehr unaufgeregt und präzise auf den Punkt inszenierter Film über Zwischenmenschliches und Kommunikationsprobleme. Frank Brenner USA 2007 (A Thousand Years of Good Prayers) Regie: Wayne Wang. Buch: Yiyun Li. Mit: Henry O, Yu Feihong, Pavel Lychnikoff, Wes Deitrick, Patrick Treadway, Angela Dierdorff Petro. Pandora. 83 Min. Ab 10. April 2008 im Kino.
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