Home

 

Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler


Mit seinem Überraschungserfolg Alles auf Zucker! hat Dani Levy vor zwei Jahren wohl Blut geleckt. Er hat gemerkt, dass man auch hierzulande eine kracherne Komödie über die jüdische Lebensart drehen kann, die nicht von den Feuilletonisten ausgebuht wird, sondern Kritiker und Zuschauer gleichermaßen im Sturm erobert.

Nun hat er sich mit Mein Führer noch mehr getraut und eine Parodie auf die nicht abreißende Flut der NS-Aufarbeitung in Film und Fernsehen allererster Güte hingelegt. Warum auch immer alles so bierernst nehmen, was sich doch so trefflich für eine Verhohnepiepelung eignet?

Levy erzählt „die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“, wie der Untertitel uns wissen macht, aus der Sicht des im KZ Sachsenhausen inhaftierten jüdischen Schauspielers Adolf Grünbaum. Der wird nämlich auf Anweisung Joseph Goebbels zusammen mit seiner Familie wider Erwarten entlassen, weil er zum Jahreswechsel 1944/45 den in einer schweren Krise steckenden Führer moralisch wieder aufbauen soll, damit er in den Ruinen Berlins eine historische Neujahrsrede halten kann.

Aufbauend auf diese abstruse Ausgangssituation zieht Dani Levy mit einem formidablen Darstellerensemble sämtliche Register, wenn er in seiner episodenhaften Handlung die gesamte NS-Menagerie der Lächerlichkeit preisgibt. Allen voran natürlich der Hauptübeltäter, der mit Make-up-Hilfe und großartigem Understatement von Helge Schneider gespielt wird.

Den sich im Laufe des Films in immer absurdere Gefilde steigernden Witz von Alles auf Zucker! kann Levy hier zwar nicht ganz erreichen, zumal ihm in der zweiten Hälfte zeitweise die Luft ausgeht. Trotzdem ist es dem jüdischen Filmemacher gelungen, die seit Christoph Schlingensiefs Bunker-Ballade 100 Jahre Adolf Hitler – Die letzte Stunde im Führerbunker witzigste deutsche NS-Abrechnung abzuliefern. FB

D 2006. Regie und Buch: Dani Levy. Mit: Helge Schneider, Ulrich Mühe, Sylvester Groth, Adriana Altaras, Stefan Kurt, Ulrich Noethen, Lambert Hamel, Torsten Michaelis. X-Verleih. 90 Min. Ab 11. Januar 2007 im Kino.