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Maria Bethânia – Música é perfume


Die klassischen Musik und ihre Künstler waren bisher die Inspiration von Dokumentarfilmer Georges Gachot. Mit 'Musica é perfume' wagte er sich dieses Mal in ein moderneres Genre vor und schuf das Porträt einer brasilianischen Diva: der Sängerin Maria Bethânia.

Zum Singen war sie immer zu schüchtern. Ihr erster Gesangsauftritt fand deshalb in völliger Dunkelheit statt und war deswegen nur umso beeindruckender. Als Prolog zu einem Schultheaterstück verzauberte Maria Bethânia mit einem melancholischen Samba ihre Zuschauer und tut es seitdem. Klingt wie ein Märchen – und das ist es auch, denn die Brasilianer verehren die charismatische Sängerin wie eine Königin.

Dazu passend, nähert sich Dokumentarfilmer Georges Gachot der Sängerin auch vorerst nur über ihre Stimme. Für den Zuschauer bleibt Maria Bethânia die erste Viertelstunde des Dokumentarfilms unsichtbar. Eine Stimme im Dunkeln, vor der Kulisse ihrer Heimat, dem nachtschwarzen Strand von Salvador de Bahia. Ein effektiver Kunstgriff, der Bethânias eigenartig raue und tiefe Stimme noch eindrucksvoller hervorhebt und die Seele Brasiliens wunderbar einfängt.

Laut Maria Bethânia haben nur Musik und Parfum die Kraft, Erinnerungen und Gefühle unmittelbar spürbar zu machen, für jeden Einzelnen etwas anders und doch für alle gleich. Jede ihrer Aussagen unterstreicht die Sängerin mit heftigen Gebärden ihrer goldberingten Hände – ihr freundliches Gesicht umrahmt von einem Riesenwust schwarzer Locken, teilweise grau durchsetzt. Maria Bethânia ist bereits eine alte Frau, ihre ersten großen Erfolge hatte sie in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Aber auf der Bühne wirkt sie um Jahre jünger, gleicht einer Shakira in ihren Bewegungen. Das Publikum singt jede Textzeile mit, reagiert auf jede ihrer Gesten.

Der Dokumentarfilm lebt von ihrer Musik und den Reaktionen ihres Publikums, raffiniert springt Georges Gachot zwischen Proben und Bühnenshow hin und her, mit der Kamera immer auf dem Gesicht der Sängerin, mal verzerrt in Konzentration, mal vor Ekstase. Fast alle ihre Lieder handeln von Liebe, das Wort „Herz“ kommt mindestens fünfmal in jedem Song vor, wie sie selbst lachend feststellt. Aber, meint sie, so sind die Brasilianer und so ist auch sie.

Gachot schafft es, nicht nur die Leidenschaft Maria Bethânias und das Wesen Brasiliens einzufangen, er betrachtet auch die Entwicklung der brasilianischen Gesellschaft und ihrer Musik, indem er auch Bethânias Ensemble zu Wort kommen lässt, ebenso wie Mitglieder ihrer Familie – zumeist selbst große Sänger und Komponisten. So ist ihm eine Musikdokumentation mit Tiefgang gelungen, ein klangvolles Zeugnis brasilianischer Musikgeschichte. Jenny von Gagern

CH/F 2005. Regie: Georges Gachot. Mit: Maria Bethânia, Nana Caymmi, Miúcha, Chico Buarque, Gilberto Gil, Caetano Veloso, Jaime Alem. KOOL. 82 Min. Ab 24. April 2008 im Kino.

 

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