Die Fotografie hat sich in den letzten 150 Jahren zu einem zentralen Bestandteil des Alltags im Leben eines jeden Menschen in den industrialisierten Ländern entwickelt. Wir sind täglich von Fotos umgeben, ohne das noch bewusst wahrnehmen zu müssen, und haben mittlerweile durch Fotohandys die Gelegenheit, jede beliebige Situation im Handumdrehen abzulichten.
Diese Spontaneität der Fotografie ist es, welche die Lomografen in ihren Bann gezogen hat. Ausgestattet mit den billigen, leichten, aber handwerklich hochprofessionellen LOMO-Kameras aus dem russischen St. Petersburg, hatten einige österreichische WG-Genossen Ende der 80er Jahre begonnen, mit diesen Schnappschusskameras aus der Hüfte heraus Momentaufnahmen festzuhalten, um schließlich aus ihrer Leidenschaft ein organisiertes Lebensgefühl zu machen.
Christian Schmidt-David hat die Gründer der Lomografischen Gesellschaft, die sich selbst Weltpräsidenten ihrer Organisation nennen, zu ihrem Hobby und ihren Aktivitäten befragt, die gar in einer Doppelausstellung der Knippsbilder in Moskau und New York ihren Höhepunkt fanden. Gegenübergestellt sind die Aussagen der russischen Konstrukteure und Unternehmer, die jene kultische Verehrung zunächst als Scherz abtaten, mittlerweile aber durchaus auch Kapital daraus zu schlagen verstehen.
Schmidt-David spielt auf originelle Weise mit dem Gegenstand seiner Dokumentation, splittet die Leinwand gerne im Stil der lomografischen Ausstellungsinstallationen und setzt eine Unzahl hervorragender Beispiele der Kleine-Leute-Kunst zur Illustration ein. Mit dem nötigen Humor hat er diese dokumentarische Bestandsaufnahme aufgelockert und vermittelt so etwas von der Faszination des spontanen Fotografierens. FB
D 2004. Regie: Christian Schmidt-David. Mit: Matthias Fiegl, Wolfgang Stranzinger, Christoph Hofinger, Lazar Salmanov, Ingeborg Jaiser, Lothar Schmidt, Wolfgang “Wolga” Gastager, Joachim Trapp. Kinostar. 79 Min. Ab 23. März 2006 im Kino. |
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