
Als der junge schottische Arzt Nicholas Garrigan (James McAvoy) sich Anfang der 70er Jahre voller Idealismus nach Uganda in eine Klinik aufmacht und unvermittelt zum Leibarzt des neuen Präsidenten Idi Amin (Forest Whitaker) wird, ahnt er nicht, dass er an den Puls einer Bestie in Menschengestalt gefesselt wird.
Doch schnell zeigt sich, dass der herbeigesehnte Erretter das Land mit ebenso blutiger Hand führt wie sein gestürzter Vorgänger. Garrigan verschließt vor den Gräueln zunächst leugnend, dann ohnmächtig die Augen. Bis die Ereignisse dazu führen, dass sich die Klaue des Gewaltherrschers auch um seinen Hals schließt.
Nach preisgekrönten Dokus wagte sich Kevin Macdonald mit dieser sehr freien Adaption des Romans von Giles Foden an sein Spielfilm-Regiedebüt. Historisch korrekt ist an beiden wenig, die Figur des Schottenarztes ist wie viele andere Charaktere erfunden. Dennoch ist die Handlung inspiriert von realen Begebenheiten und Personen aus dem Leben des „Schlächters von Afrika“, wie der 2003 im saudischen Exil gestorbene Amin genannt wurde.
Kraftvoll saugen Dramaturgie und Kamera in das spannende Geschehen und offenbaren dem Zuschauer ein Psychoporträt des ebenso brutalen wie wahnsinnigen, dabei mitunter grotesk-komischen Diktators. Den spielt Forest Whitaker in erschreckender Perfektion, und er lässt die irre Mimik, die gefährlichen Stimmungsschwankungen und den unfassbaren Genozid des monströsen Vorbilds zumindest erahnen. Dass er dafür fast alle namhaften amerikanischen Filmpreise entgegennehmen konnte, verwundert nicht. Vor allem seiner Leistung schuldet der Film den nötigen folgenden Wissensdurst des Kinobesuchers auf Amins und Ugandas tatsächliche Geschichte. PH
GB/USA 2006 (The Last King of Scotland) Regie: Kevin Macdonald. Buch: Peter Morgan, Jeremy Brock. Mit: Forest Whitaker, James McAvoy, Kerry Washington, Simon McBurney, Gillian Anderson, David Oyelowo, Adam Kotz. Fox. 121 Min. Ab 15. März 2007 im Kino.
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