
Dass renommierte Regisseure wie Lasse Hallström (Chocolat) ihre internationale Karriere mit Kinderfilmen (Die Kinder von Bullerbü) beginnen oder schon etablierte Filmemacher wie François Truffaut ihre Kunst auch in den Dienst der kleinsten Zuschauer gestellt haben (Taschengeld) ist im deutschsprachigen Filmschaffen eher die Ausnahme.
Umso erfreulicher, dass sich der österreichische Kult-Regisseur Wolfgang Murnberger ans ungeliebte Genre wagt – hatte er bisher doch eher durch bitter-böse Krimis (Komm, süßer Tod) von sich Reden gemacht.
Mit Lapislazuli setzt er nun ganz auf Familienunterhaltung: Irgendwo in den Alpen schlägt ein Meteorit ein und taut den seit Jahrtausenden eingefrorenen Neandertaler Bataa auf. Ein Museumskurator und sein Assistent, die ihn zu wissenschaftlichen Zwecken einfangen wollen, treiben Bataa der 13jährigen Sophie (souverän: Julia Krombach) in die Arme, die sich gerade vom aufgezwungenen Familienurlaub mit Vater, neuer Mutter und Stiefschwester abgeseilt hat. Obwohl sich die beiden „Flüchtigen“ nur mühsam verständigen können, entwickelt sich eine innige Freundschaft, die ihre Bewährungsprobe erfährt, als Sophie das Geheimnis hinter Bataas lapislazuli-blauer Bemalung entdeckt...
In den grandios fotografierten Landschaftspanoramen verlässt sich Murnberger vor allem auf sein spielfreudiges Ensemble, aus dem der authentisch wirkende, Aborigine-Kinderstar Clarence John Ryan herausragt, der seinen Ureinwohner fernab von jedem peinlich-lustigem Steinzeit-Klischee spielt. Ohne Humor – wunderbar trottelig Gregor Bloéb als übereifriger Assistent – und Spannung zu vernachlässigen, setzt sich Murnberger mit wohltuender Ernsthaftigkeit mit veränderten Familienkonstellationen, dem Wert der Freundschaft und dem ersten Umgang mit dem Tod auseinander. RRH
D/F/LUX 2006. Regie und Buch: Wolfgang Murnberger. Buch: Volker Krappen. Mit: Clarence John Ryan, Julia Krombach, Hans Werner Meyer, Lena Stolze, Christoph Waltz, Gregor Bloéb, Vadim Glowna. Fox. 106 Min. Ab 5. Oktober 2006 im Kino. |
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