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Ländliche Ansichten: Der Alltag


In den Bergen im Zentrum Frankreichs liegen die Gebiete von Lozére, Ardèche und Haute-Loire. Früher fand sich hier ein Familienbetrieb nach dem anderen. Doch das ist vorbei: Inzwischen liegt die Landwirtschaft in den Händen weniger Großkonzerne.

Raymond Depardon begibt sich im zweiten Teil seiner Trilogie Ländliche Ansichten dorthin, wo einst die jährliche Ernte große Erträge brachte und ganze Landstriche von dem Verkauf gut leben konnten. Heute ist alles anders: Verordnungen der Europäischen Union haben zu einer Monopolisierung geführt, und wenn sich junge Bauern dennoch selbstständig durchschlagen wollen, werden sie durch bürokratische und finanzielle Fesseln aus Brüssel daran gehindert.

Ländliche Ansichten: Der Alltag ist nur am Rande ein politischer Film. Vielmehr dokumentiert er eine Generation von betagten Menschen, die ihr Leben lang hart gearbeitet haben und jetzt in Armut auf die Erlösung durch den Tod warten. Nicht nur die alten Maschinen der bäuerlichen Betriebe sind stehen geblieben – die Zeit irgendwie auch.

Depardons Versuch, uns diese alten Männer und Frauen näher zu bringen, scheitert letztendlich an deren Desinteresse, den Mund aufzumachen. Die Dialoge, die sie miteinander führen, beschränken sich auf das Wetter und die aus ihrer Sicht nachvollziehbare Erkenntnis, dass früher alles besser war. Sie fühlen sich eher gestört als dass sie gern ihr schwaches Herz ausschütten würden. „Warum filmen Sie mich?“, fragt eine Greisin genervt. Und ihre Nachbarin gibt eine simple Antwort darauf: „Weil du eben da bist.“ Nach spätestens einer Stunde ist die Botschaft beim Zuschauer angekommen – aber dann dauert der Film immer noch eine halbe Stunde... HK

F 2004 (Profils paysans: Le quotidien) Regie und Kamera: Raymond Depardon. FdDK. 85 Min. Ab 30. März 2006 im Kino.