Mit seinem Spielfilmdebüt Wir können auch anders wurde Detlev Buck Anfang der 90er Jahre schlagartig zu einem der bekanntesten Regisseure hierzulande. In den letzten Jahren war es im Kino zunehmend stiller um ihn geworden, immerhin als Schauspieler sah man ihn zuletzt in Leander Haußmanns misslungener NVA-Farce.
Wenn sich Buck nun mit Knallhart als Regisseur zurückmeldet, präsentiert er uns einen ungewohnt ernsten Film, der die filmsprachlichen Mittel eines Lars Becker aufgreift. Jenny Elvers-Elbertzhagen mimt die Frau eines reichen Geschäftsmannes, die mit ihrem Sohn eines Tages Knall auf Fall vor die Tür gesetzt wird und sich mit der bitteren sozialen Realität der Minderbemittelten abfinden muss. Sohn Michael wird aufgrund seines ehemals reichen Backgrounds schnell zur Zielscheibe einer Türkengang und findet schließlich Schutz bei einem windigen Geschäftsmann, der ihn als Drogenkurier einsetzt.
Nach all den locker-leichten Possen hat nun die bleierne Realität von Detlev Buck Besitz ergriffen. In matten Farben zeichnet er ein vergleichsweise authentisches Porträt von Bandenkriminalität, sozialem Abstieg und den Problemen der Jugend. Herausragende Darstellerleistungen vermögen dabei, was dem Regisseur nicht immer überzeugend gelingt: eine Geschichte zu erzählen, die trotz ihrer filmischen Austauschbarkeit Originalität und Eigenständigkeit bieten kann. Manche der Szenen hat Buck nämlich geradezu ins Pathetische überzeichnet und mit einem furchtbar emotionsgeladenen Soundtrack zugekleistert. Aber die gelungenen Milieuzeichnungen und die erfrischenden Schauspielerleistungen können dieses Manko halbwegs wieder ausbügeln. Als Einstieg in ein neues Genre gar nicht übel. FB
D 2005. Regie: Detlev Buck. Buch: Zoran Drvenkar, Gregor Tressnow. Mit: David Kross, Jenny Elvers-Elbertzhagen, Erhan Emre, Hans Löw, Kida Ramadan, Oktay Özdemir, Arnel Taci. Delphi. 98 Min. Ab 9. März 2006 im Kino. |