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Klimt


Nachdem man einen Film wie Klimt gesehen hat, beginnt man sich fast zwangsläufig zu fragen, welchen Sinn ein Biopic eigentlich erfüllen kann.

Der Zuschauer sollte etwas über das Leben des Porträtierten erfahren, gezeigt bekommen, was dessen Wirken zu etwas Besonderem machte oder vielleicht auch Details über sein Privatleben erfahren, falls dieses das eigentliche Schaffen der Person hinsichtlich ihrer Bedeutung übertraf.

Steht ein Maler oder Künstler im Zentrum, kann man, wie Peter Webber in Das Mädchen mit dem Perlenohrring, versuchen, für die visuelle Kraft der Gemälde eine filmische Entsprechung zu finden. Raoúl Ruiz hat sich mit seiner Klimt-Biografie so sehr der privaten Seite des Malers verschrieben, dass schon allein die Tatsache, dass Gustav Klimt einer der bedeutendsten Vertreter des Jugendstils war, völlig in den Hintergrund rückt.

Allzu selten sieht man den Künstler mit dem Pinsel in der Hand. Viel wichtiger wird seine Obsession für eine hübsche Tänzerin, der er manisch verfallen ist und die ihn in seiner Gedankenwelt verfolgt und schließlich zusammen mit einem imaginären Sekretär seine geistige Verwirrtheit symbolisiert. Nackte weibliche Modelle werden immer wieder sensationslüstern ins Bild gesetzt, dazwischen eifert Nikolai Kinski als Egon Schiele chargierend und mit den Augen rollend seinem auf Wahnsinnige abonnierten Vater Klaus nach.

Bedeutungsschwanger werden leere Phrasen gedroschen, die Kamera kreist unermüdlich um die Protagonisten, um beim Zuschauer ein Gefühl der Trance zu erzeugen, das von Ruiz in den Schlusseinstellungen wiederum symbolisch überhöht wird. Der sterbende Klimt irrt dort zusammen mit einem in Weiß gekleideten Mädchen durch ein Haus, in dem es schneit. Plumper kann man eine filmische Biografie kaum mehr beenden. FB

D/A/GB/F 2005. Regie und Buch: Raoúl Ruiz. Mit: John Malkovich, Veronica Ferres, Stephen Dillane, Saffran Burrows, Nikolai Kinski, Sandra Ceccarelli, Miguel Herz-Kestranek. Arsenal. 97 Min. Ab 25. Mai 2006 im Kino.