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Klang der Ewigkeit


Abstrakte, zumal Musik visualisierende Filme sind seit den experimentierfreudigen 1970er Jahren weltweit selten geworden.

Bastian Clevé, der sich zuletzt als Filmproduzent, Sachbuchautor und Dozent für Produktion an der Ludwigsburger Filmakademie einen Namen gemacht hat, knüpft mit Klang der Ewigkeit an seine frühe Karriere als Regisseur avantgardistischer Kurzfilme an.

Clevés Bebilderung der sakralen h-Moll-Messe, die aufgrund ihrer langen Entstehungszeit (1733-1749) und Komplexität als das Opus ultimum Johann Sebastian Bachs gilt, ist ein üppiges, 28-teiliges Bilder-Patchwork, das zwar einem überbordenden, barocken Kunstverständnis entspricht, aber nicht zwingend zum Verständnis der Komposition beiträgt.

Der Gestaltungsansatz, Werke der Kunstgeschichte digital zu verfremden, auf soziale oder politische Verweise aber weitgehend zu verzichten, führt zu einem in dieser Konsequenz selten gesehenen „l’Art pour l’Art“ des schönen Scheins. Selbst die Sequenzen mit Armutsbildern aus Indien oder mit Armeepostkarten aus dem ersten Weltkrieg erfüllen in erster Linie eine dekorative, die Musik unterstützende Funktion.

Unverbunden stehen neben solchen assoziativen Passagen psychedelische Bildfolgen, die an die abstrakten, rhythmischen Kurzfilme Oskar Fischingers um 1930 erinnern. Wie so oft beim künstlerischen Ästhetizismus neigt auch die Symbolik dieses Films zur Überdeutlichkeit (Christuskreuze, Gestirne etc.). Am überzeugendsten sind daher die Sequenzen, die nicht synästhetisch mit der Musik verschmelzen wollen, sondern sich von ihr emanzipieren und Kontraste bilden, z.B. wenn zur Barockmusik Breakdance getanzt wird.

Clevés „visuelle Assoziation“ braucht ein Publikum, das ungebändigten, postmodernen Bildexperimenten gegenüber aufgeschlossen ist bzw. keinen puristischen Kunstauffassungen anhängt. MPH

D 2005. Regie und Buch: Bastian Clevé. Musik: Johann Sebastian Bach. Mit: Axel Ganz, Barbara Stoll, Sabine Schromm, Philipp Denzel. Kinostar. 111 Min. Ab 25. Mai 2006 im Kino.