Trudi und Rudi sind seit Jahren verheiratet und in Routinen gefangen. Als Trudi von einer tödlichen Erkrankung ihres Mannes erfährt, verschweigt sie ihm diese und versucht ihn stattdessen, zu einem Besuch bei den erwachsenen Kindern zu überreden. Als dabei überraschend Trudi verstirbt, überdenkt Rudi sein Leben.
Doris Dörries Vorliebe für Japan hat sich in ihren letzten Filmen wiederholt niedergeschlagen. Sowohl in ihren fiktionalen Stoffen ('Der Fischer und seine Frau') als auch in ihrer letzten Dokumentation ('How to Cook Your Life') hat die Filmemacherin und Schriftstellerin ihrer Liebe für Nippon gefrönt.
Auch in 'Kirschblüten – Hanami' kommt der Philosophie und Kunst des Ostens wieder ein besonderer Stellenwert zu. Trudi, die von Hannelore Elsner mit ungewohntem bayerischem Akzent gespielt wird, ist gleichfalls von Japan und seinen Besonderheiten fasziniert. So hatte sie sich stets gewünscht, einmal eine Butoh-Tänzerin zu werden. Beim Besuch der Kinder in Berlin hat sie immerhin die Gelegenheit, eine entsprechende Bühnenshow zu erleben; ihr größter Wunsch, einmal ihren jüngsten Sohn in Tokio zu besuchen und dabei den Fuji aus nächster Nähe zu sehen, bleibt allerdings unerfüllt. Als der trauernde Rudi erkennen muss, dass er seine Ehefrau all die Jahrzehnte hinweg eingeengt und ihre Sehnsüchte missachtet hat, möchte er dies wiedergutmachen, indem der reisescheue Fastrentner sich an Trudis Stelle auf diese Reise begibt.
Indem Doris Dörrie jenen in Routinen gefangenen bayerischen Provinzler Rudi mit dem bekannten Fernsehschauspieler und Synchronsprecher (Mel Gibson!) Elmar Wepper besetzte, ist ihr ein wahrer Clou gelungen. Da man Weppers Gesicht viel zu selten auf der großen Leinwand erlebt, ist es noch wesentlich unverbrauchter als das von Hannelore Elsner, mit deren Interpretation man mitunter ein paar Probleme haben könnte. Wepper hingegen wirkt als tapsiger, von seinen Kindern mangels Zeit aufs Abstellgleis geschobener und von schweren Schuldgefühlen belasteter Witwer unbedingt glaubwürdig.
Wenn seine Figur nach Japan aufbricht, mischen sich Culture- und Generation-Clash-Elemente à la 'Lost in Translation' in die Geschichte, die von weisen, von östlichen Lebensvorstellungen inspirierten Zwischentönen gebrochen werden. Dörrie ist hier ein sehr schöner Film über den großen Abschied gelungen. Frank Brenner D/F 2008. Regie und Buch: Doris Dörrie. Mit: Elmar Wepper, Hannelore Elsner, Nadja Uhl, Maximilian Brückner, Felix Eitner, Aya Irizuki, Birgit Minichmayr, Floriane Daniel. Majestic. 127 Min. Ab 6. März 2008 im Kino.
> FILMSTART-Forum: Kino Aktuell
|