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Kifferwahn


Musicals sind ja generell ein Genre für sich. Und verfilmte Musicals erst recht.

Eines scheint jedoch ehernes Gesetz zu sein: Wirklich hochwertige, oder vielleicht besser, erfolgreiche Musicals und ihre Verfilmungen basieren auf einer guten Vorlage: „My Fair Lady“ auf „Pygmalion“ von George Bernard Shaw, „Cats“ auf Versen von T. S Eliot, „Das Phantom der Oper“ auf einem Roman von Gaston Leroux und „West Side Story“ gar auf Shakespeares „Romeo und Julia“.

Kifferwahn hingegen rühmt sich, auf der Grundlage des 1936 in den USA zu Propagandazwecken gedrehten Antidrogenfilms Reefer Madness entstanden zu sein. Der erlangte in den 60er und 70er Jahren in Amerika Kultstatus aufgrund der Tatsache, weil er so übertrieben gespielt und ganz einfach grottenschlecht inszeniert war. Die ernstgemeinte, vor allem aber dümmliche Darstellung von Jugendlichen, die einmal an einem Joint ziehen und sich umgehend in vergewaltigende und tötende Monster verwandeln, das war Stoff, aus dem sich in der gesellschaftlichen Stimmung der 70er Jahre wohl tatsächlich so etwas wie „Kult“ entwickeln konnte.

Die Übertragung ins Heute verlangt da nach einer Rahmengeschichte, die Regisseur Andy Fickman durch ein höchst aufgesetzt wirkendes Film-im-Film-Prinzip realisiert. Und leider verwendete er dabei nicht die Originalvorlage, sondern legte überall selbst Hand an.

Wer bei dem reißerischen Titel vielleicht sowas wie Kifferhumor erwarten oder auch nur spritzige Unterhaltung suchen sollte, wird schwer enttäuscht sein. Denn nur, wer mit vergleichsweise nett choreografierten Tanzszenen glücklich zu machen ist, wird nach diesem eher bieder auf The Rocky Horror Picture Show getrimmten Film den Kinosaal nicht mit einer gewissen Ratlosigkeit verlassen. AW

USA/D 2004 (Reefer Madness: The Movie Musical) Regie: Andy Fickman. Buch: Kevin Murphy, Dan Studney. Mit: Kristen Bell, Christian Campbell, Neve Campbell, Alan Cumming, Ana Gasteyer, John Kassir, Steven Weber. 108 Min. Ab 27. April 2006 im Kino.