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Kein Science Fiction


Stell dir vor, du machst die Tür zu, und die Welt hat dich vergessen: Zur Gesundung seiner kränkelnden Selbständigkeit nimmt Familienvater Jörg (Arved Birnbaum) an einem Motivationstraining teil. Dabei bringt er sogar Marius, den Seminarleiter (Jan Henrik Stahlberg) auf die Palme, dessen abstrahierten Theorien er nicht folgen kann. Draußen im Flur atmen sie gemeinsam durch.

Als sie die Tür zum Gruppenraum wieder öffnen, sind die anderen Teilnehmer verschwunden. Fortan werden die beiden von ihren Mitmenschen vergessen, sobald eine Tür dazwischen zufällt. Einzige zuverlässige Bezugspunkte bleiben sie sich gegenseitig. Marius dominiert vorerst das Geschehen und lebt sein Leben weiterhin als Rollenspiel.

Ihm machen im Gegensatz zu Jörg, der seine Familie nicht wieder findet, keine vergleichbaren Verluste zu schaffen. Anfangs ziehen beide aus der Situation Nutzen und bereichern sich unter dem Mantel des Vergessenwerdens. Irgendwann kommt Anja (Nicole Marischka) ins Spiel, die von beiden Männern umgarnt wird. Und dabei erweisen sich zufallende Türen als äußerst hinderlich…

Die Idee von Franz Müller ist Science Fiction, die Umsetzung minimalistisch und weniger genreüblich. Entsprechend selbstironisch fällt die durch eine Titelschutzklage erzwungene Änderung des Titels von Science Fiction in Kein Science Fiction aus.

Wie später in Muxmäuschenstill improvisiert Stahlberg bereits hier grandios als unreflektierter Manipulator und führt sein intellektuell unterlegenes Gegenstück vor. Beide Filme bleiben trotzdem für sich eigenständiges, starkes Kino. Phantasievoll durchspielt Kein Science Fiction seine Idee und bleibt dabei nicht nur Schabernack. Einziger Wermutstropfen ist die aus Kostengründen erzwungene Umsetzung auf DV: Die Idee hätte ein besseres Gewand verdient. HE

D 2003. Regie und Buch: Franz Müller. Darsteller: Jan Henrik Stahlberg, Arved Birnbaum, Nicole Marischka, Heidi Ecks, Thomas Wittmann. Rif-Film. 112 Min. Ab 2. März 2006 im Kino.