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John Rambo


Er wolle, sagte Sylvester Stallone 2007 auf einer Pressekonferenz zu 'Rocky Balboa', nun auch noch seinen John Rambo nach Hause bringen.

Nun, an zu Hause denkt Rambo im vierten Teil der Söldner-Saga erst einmal gar nicht: Im thailändischen Hinterland fängt der Vietnam-Veteran Fische und Schlangen, den Rest der Zeit schweigt er. Er schweigt auch, als ihn ein paar Missionare darum bitten, sie mit dem Boot nach Burma zu begleiten. Eingangs, und das ist ein Novum innerhalb der Reihe, zeugen Nachrichtenbilder von den unmenschlichen Zuständen dort. Und Regisseur Stallone wird das Gemetzel des Militärs an der Landbevölkerung noch zusätzlich und ungeschönt einfangen.

„Scheiß auf die Welt“, trotzt sein müder Kämpfer, lässt sich dann aber doch von einer beherzten Missionarin überreden, geleitet die Christen ins Krisengebiet und muss sie am Ende befreien, weil sie von einer mordenden, uniformierten Horde entführt werden.

Am Ende steht dann der Wunsch, nach Hause zurück zu kehren. Wie es aber nach seinen persönlichen Feldzügen in Vietnam (1985) und Afghanistan (1988) und 20jährigem Rückzug ins asiatische Hinterland plötzlich nach einem weiteren blutigen Manöver in Burma zu dieser Läuterung kommt – das vermag der Film nicht wirklich zu vermitteln. Und damit liefert Stallone hier bei allem Herzblut prinzipiell nichts anderes als einen weiteren Rambo-Film mit unmotiviertem alternativem Ende. Und härterer Gangart: Bei all dem um authentische Effekte bemühten Gemetzel fragt man sich, was die eine Minute, die die FSK dem deutschen Publikum vorenthält, wohl noch Schrecklicheres beinhalten mag (zur Beruhigung: wirklich spürbar ist nur ein Schnitt).

Die ungeschönte Härte wird die Fans erfreuen. Stallone (61) behält das T-Shirt an, kämpft aber bewährt listig und effektiv – diesmal jenseits von Weichzeichner und Score-Hymnen. Der Actionheld meint es jetzt irgendwie ernst. Das wird besonders deutlich, wenn er das Morden des bösen Militärs bebildert: Da werden Gefangene in Tretminen gejagt, Kinder erschossen, Frauen vergewaltigt. Nachdem Rambo den Krieg in Vietnam und Afghanistan nachgeholt hatte, scheint es Stallone jetzt darum zu gehen, diesmal die Vorreiterrolle einzunehmen in der Hoffnung, seine Offensive ziehe Truppeneinmärsche nach Burma nach sich.

Rambo öffnet Missionaren die Augen, „bekehrt“ gewohnt bleihaltig das Übel dieser Welt und wird am Ende selbst geläutert. Etwas Sakrales hat das aber trotzdem nicht.
Zugleich ist der Mann aller Männer jetzt weniger pathetisch und dadurch gar menschlicher, wenn er sich in Schweigen hüllt, da man ja sowieso nichts mehr ändern kann auf dieser Erde. Auch Humor hat er eingebüßt. Witz entsteht bei Rambo vielmehr durch das Schweigen selbst. Dann nämlich, wenn sich andere an seiner buddhistischen Ruhe reiben und dabei auflaufen.

Inhaltlich mag der Film unentschlossen wirken, für die Fans und für das Genre bleibt John Rambo indes bedeutsam: Sylvester Stallone trägt hier nicht nur seinen Helden, sondern vermutlich auch den Söldnerfilm an sich zu Grabe. Denn John Rambo ist letztlich nichts weiter als ein zeitgemäßer Söldnerfilm. Und das bekommt heute – vor und hinter der Kamera – scheinbar nur noch einer hin. Und für den war es das. Nach den aufreibenden Dreharbeiten sagt Stallone: „So etwas mache ich persönlich auf keinen Fall noch einmal. In meinem nächsten Film sitzen zwei Leute am Tisch und unterhalten sich – wie in 'Mein Essen mit Andre'.“ Na, zumindest der Filmemacher hat sich den Humor erhalten. Hartmut Ernst

USA/D 2008 (Rambo) Regie und Buch: Sylvester Stallone. Buch: Art Monterastelli. Mit: Sylvester Stallone, Julie Benz, Matthew Marsden, Graham McTavish, Ray Gallegos. Warner. 85 Min. Ab 14. Februar 2008 im Kino.

 

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