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Into the Wild


Sean Penn ist nicht nur ein ausgesprochen guter Schauspieler, der in Filmen wie Mystic River, 21 Gramm oder Dead Man Walking gegen gestandene Mimen wie Susan Sarandon, Tim Robbins oder Benicio Del Toro bestehen konnte.

Sean Penn ist auch ein ausgesprochen guter Regisseur, der in seine bisherigen Filme stets jede Menge Herzblut legte und sie zu Juwelen des amerikanischen Independentkinos werden ließ.

Schon sein Debüt Indian Runner hatte er 1991 im Sumpf aus Alkohol und Kriminalität angesiedelt, also mit jeder Menge sozialem Sprengstoff aufgeladen. 1995 folgte Crossing Guard, in dem er abermals erfolgreich ein Starensemble instruierte. Mit Das Versprechen folgte dann im Jahr 2001 eine erste Romanadaption, in der er seinem Vorbild und Freund Jack Nicholson eine erneut preiswürdige Darstellerleistung abverlangte. Auch Into the Wild basiert auf einer Buchvorlage, doch Jon Krakauers Reportage ist keine fiktive Abenteuergeschichte, sondern die akribische Aufarbeitung des Schicksals eines Aussteigers.

Anfang der 90er Jahre hat Christopher McCandless (Emile Hirsch) sein College gerade mit vorbildlichen Zensuren abgeschlossen. Seine Eltern sind stolz auf den jungen Mann, der ohne Probleme in Harvard Jura studieren könnte. Doch aus den Lobeshymnen und materiellen Dankbezeugungen macht sich Christopher nichts, der seit seiner frühesten Jugend unter den angespannten Eheverhältnissen im elterlichen Heim leidet. Er schnappt sich seinen gebrauchten Datsun und schlägt sich ohne konkretes Ziel durch die Lande, ohne seinen Erzeugern zu Hause auch nur das geringste Lebenszeichen zukommen zu lassen. Nachdem sein Auto schon bald den Geist aufgibt, trampt und läuft der Aussteiger weiter der Nase nach, gibt sich selbst den Road-Namen „Alexander Supertramp“ und macht auf seinem Weg viele interessante Begegnungen, die in ihm schließlich den Wunsch reifen lassen, sich nach Alaska in die Wildnis durchzuschlagen. Allein in der Natur will er mit sich und der kranken Gesellschaft ins Reine kommen.

Sean Penns vierte Spielfilmregie muss über weite Strecken mit der bloßen Anwesenheit von Emile Hirsch Vorlieb nehmen, der in diesen Szenen der Einsamkeit in Alaska den Film im Alleingang stemmen muss. Der talentierte Jungschauspieler, der bereits in Alpha Dog oder Dogtown Boys nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht hat, wäre problemlos dazu in der Lage gewesen, dieser Herausforderung gerecht zu werden. Penn hat die Szenen der nordischen Einsamkeit dennoch mit Episoden der Reise des jungen Helden gegengeschnitten, in denen dieser durch Begegnungen und Erfahrungen zum weisen Mann reift. Dadurch verleiht er der Aussteigergeschichte natürlich ganz bewusst eine noch überzeugendere Dramaturgie, die sich in den spannenden Schlussszenen schließlich Bahn bricht. Für diese Einstellungen ist Hirsch an seine körperlichen Grenzen gegangen und hat die erschreckendendste Abmagerungskur für einen Film vollzogen seit Christian Bale für seine Rolle in The Machinist.

Unterwegs trifft Alexander Supertramp u.a. auf Catherine Keener und Brian Dierker, die ein cooles Alt-Hippie-Paar geben, das an einer ganzen Menge eigener Probleme zu knabbern hat. Auch der alte Ron Franz (Hal Holbrook) kann durch sein langes und reiches Leben mit klugen Weisheiten dienen, wird sich aber am Ende von dem schlauen Jungspund eines Besseren belehren lassen. Trotz der üppigen Spielzeit von zweieinhalb Stunden ist es Sean Penns straffer Inszenierung zu verdanken, dass man als Zuschauer nie das Interesse an der Geschichte verliert. Sehr literarisch baut er die Betrachtungen von Christophers Schwester Carine (Jena Malone) als Off-Kommentare zwischen die Reiseepisoden und dokumentiert damit die Sorgen, Nöte und Aktionen der unwissenden Familie. Ebenso literarisch ist die Initiationsgeschichte des Protagonisten in fünf Kapitel untergliedert, die den Reifungsprozess Christophers aufgreifen. Into the Wild bestätigt einmal mehr das großartige Talent Sean Penns und erzählt eine packende, weise und zu Herzen gehende Geschichte. FB

USA 2007. Regie und Buch: Sean Penn. Mit: Emile Hirsch, Marcia Gay Harden, William Hurt, Jena Malone, Catherine Keener, Hal Holbrook, Vince Vaughn. Tobis. 148 Min. Ab 31. Januar im Kino. Ab 31. Januar 2008 im Kino.

 

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