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Inside Man


Eine vermummte Gangsterbande bricht in eine repräsentative New Yorker Bankfiliale ein und nimmt alle Anwesenden als Geiseln, während sich Draußen eine wahre Polizeiarmada postiert und jede Flucht aussichtslos erscheinen lässt – das ist die Ausgangssituation in Spike Lees erstem regelrechten Genrefilm.

Um einen Spannungsbogen musste sich Lee nicht viel Sorgen machen, um Originalität abseits der Konventionen allerdings umso mehr. Die Genrevariation von Drehbuchdebütant Russell Gewirtz besteht darin, dass die Bankräuber wie weiland Robin Hood ethischen Motiven folgen und es auf etwas anderes abgesehen haben als den schnöden Mammon.

Leider wird aus dem, was die Polizisten allenfalls ahnen, die Zuschauer aber schon bald definitiv wissen, relativ wenig Spannung entwickelt. Wie der an Onkel Dagobert gemahnende Bankenchef den Panzerknackern neben dem NYPD auch noch eine abgebrühte Vermittlerin (Jodie Foster) auf den Hals hetzt, bleibt plotmäßig folgenlos.

Dafür ist die kurzweilige Krimihandlung mit Szenen voll absurder Komik gewürzt: Wie schon in 25 Stunden wirft Lee spöttisch-sympathische Blicke auf die Vielvölkerstadt New York, zudem greift er die durch den Anti-Terrorkrieg gereizte Stimmungslage innerhalb der US-Gesellschaft auf.

Warum aber fesselt der Nervenkrieg zwischen dem supercoolen Anführer (Clive Owen) der vermeintlich skrupellosen Gangsterbande auf der einen Seite und dem nicht minder coolen Einsatzleiter (Denzel Washington) der tendenziell überforderten Cops auf der anderen Seite nicht so, wie er könnte? Weil Spike Lee besonders überzeugend von Underdogs erzählen kann, die mit Autoritäten nicht viel am Hut haben. Aber eine Story aus Sicht der Staatsmacht – selbst wenn diese in Person eines Afroamerikaners daherkommt, der als Urlaubsvertretung (!) unter besonderem Bewährungsdruck steht –, ist für Lees anarchische Attitüden kein ideales Vehikel. MPH

USA 2005. Regie: Spike Lee. Buch: Russell Gewirtz. Mit: Denzel Washington, Clive Owen, Jodie Foster, Willem Dafoe, Christopher Plummer, Chiwetel Ejio-for. 115 Min. Seit 23. März im Kino.