Es ist schon lustig, wie sich nach all den Jahren der Kreis schließt – Anfang der 80er Jahre hatten zwei jung gebliebene Männer, Steven Spielberg und George Lucas, die ungewöhnliche Idee, eine Hommage an die Abenteuer-Serials der 30er Jahre auf die Leinwände zu bringen. Sie huldigten mit 'Jäger des verlorenen Schatzes' Heldenfiguren ihrer Kindheit, die sie aus den entsprechenden Fernsehausstrahlungen der Serials in den 50er Jahren kannten.
Archäologe Indiana Jones traf den Nerv einer ganzen Generation und wurde im Laufe der 80er Jahre selbst zur Serienfigur und Popkulturikone. Lange kursierten Gerüchte über eine längst fällige weitere Fortsetzung, doch Teil 4 ließ geschlagene 19 Jahre auf sich warten. Da Hauptdarsteller Harrison Ford nun bereits im Rentenalter angekommen ist, hat man beim Drehbuch Rücksicht auf diesen Umstand genommen und die Handlung folgerichtig ebenfalls zwei Jahrzehnte nach dem dritten Teil angesiedelt.
1957, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, dringen russische Spione in ein geheimes US-Militärlager ein und zwingen Prof. Jones zur Mithilfe. Das Objekt der roten Begierde scheinen die Überreste eines geheimnisumwitterten Fundes aus Roswell zu sein, der außerirdischen Ursprungs ist. Weil sein alter Studienfreund Oxley in der Hand der Kommunisten ist, erklärt sich Indiana bereit, die Russen unter der Leitung der forschen Frau Oberst Spalko ans Ziel ihrer Wünsche zu führen – im Schlepptau der Halbstarke Mutt, dessen Mutter ebenfalls als Entführungsopfer zum Druckmittel wurde.
Im vierten Teil der Abenteuerreihe ist die Originaltrilogie schon so weit ins Popkulturgedächtnis der Kinozuschauer eingebrannt, dass man sich munter selbst zitieren kann. Verweise und Anspielungen, die früher den Serials aus den 30ern galten, sind nun zur Selbstreferentialität geworden. Unter den Indiana-Jones-Fans kann man sich ohnehin sicher sein, dass diese Querverweise erkannt werden. Zudem orientierte man sich an den medialen Vorbildern aus den 50er Jahren, also so manchem Science-Fiction-Klassiker jener Zeit.
Dass diese doch etwas ungewohnten Elemente dennoch zur Abenteuerreihe passen, dürfte dabei außer Frage stehen. Schließlich haben sich die Geschichten schon immer um mystisch aufgeladene Legenden gerankt, in die sich der Roswell-Vorfall nahtlos einzureihen versteht. Die Filmemacher haben hier zwar entgegen eigener Bekundungen massiven Gebrauch von digitalen Tricks gemacht, was das Ergebnis aber nicht negativ beeinflusst. Alte und neue Fans des Peitsche schwingenden Archäologen werden hier auf bewährte Weise gut unterhalten – mit jeder Menge handfester Action, aufwändigen Computeranimationen und vielleicht etwas zu dünn gesäten, aber trotzdem witzig unterhaltenden One-Linern und pfiffigen Kabbeleien. Frank Brenner USA 2008 (Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull) Regie: Steven Spielberg. Buch: David Koepp. Mit: Harrison Ford, Cate Blanchett, Shia LaBeouf, Karen Allen, John Hurt, Ray Winstone, Jim Broadbent. Universal. 124 Min. Ab 22. Mai 2008 im Kino.
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