Pädagogendramen gab es zuhauf in der Vergangenheit. Meist setzen sie sich mit der sozialen Problematik nur oberflächlich ('Dangerous Minds') oder pathetisch ('Freedom Writers') auseinander.
Auch 'Half Nelson' hat das Zeug zum Scheitern, überfliegt man den Plot in groben Zügen: Eine Beziehung zwischen einem Lehrer und seiner Schülerin hilft beiden aus ihrem Elend. Doch 'Half Nelson' ist anders.
Der junge Lehrer Dan Dunne (Ryan Gosling) steht selbstbewusst seinen Schülern in der Brooklyner Highschool gegenüber. Hinter seiner scheinbaren Stärke steckt jedoch eine erhebliche Schwäche: Dunne ist süchtig nach Kokain. Als Drey (Shareeka Epps), eine seiner Schülerinnen, ihn zusammengesackt auf dem Boden der Toilette entdeckt, entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden. Sie stehen an den unterschiedlichen Enden des Drogengeschäfts.
Dunne ist Konsument und für Drey ist es nahezu aussichtslos, nicht den Weg ihres sozialen Umfelds aus Dealern und Crackheads zu beschreiten. In Dunne wächst ein Beschützerinstinkt. Dabei ist er eigentlich derjenige, der Hilfe benötigt, sie aber von seiner Schülerin erfährt. Im titelgebenden Würgegriff des Wrestlings befinden sich die Protagonisten. Regisseur Ryan Fleck schildert ihren Befreiungsversuch in nüchternen, realitätsnahen Bildern, die durch die Darstellung von Ryan Gosling als Dunne zusätzlich an Intensität gewinnen. Dem Ausnahmeschauspieler gelingt es erneut, seiner Figur Komplexität zu verleihen und sie glaubwürdig zu verkörpern. So umgeht der kleine Independentfilm, der seinen Weg nach zwei Jahren erfreulicherweise auch endlich in unsere Kinos gefunden hat, jegliche Fallen aus Kitsch und Sentimentalität. Lars Tunçay USA 2006. Regie und Buch: Ryan Fleck. Buch: Anna Boden. Mit: Ryan Gosling, Shareeka Epps, Nathan Corbett, Jeff Lima, Tyra Kwao-Vovo. Arsenal. 106 Min. Ab 27. März 2008 im Kino.
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