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Freischwimmer


Wenn die Alice Dwyer mit grell-rot geschminkten Lippen, schmutzig-blonden Haaren, aber mit schwarzen Augenbrauen lasziv in die Kamera blickt, dann weiß man, sie spielt wieder einmal das verführerische Nymphchen.

Und wenn August Diehl mit irrem Blick und Bart wie eine Mischung aus Gartenzwerg und Möchtegern-Rasputin daherkommt, dann ahnt man schon, er ist der „Böse“. Und genauso „dick aufgetragen“ geht es weiter in Andreas Kleinerts viertem Kinofilm seit seinem Abschluss 1989 an der damals noch DDR-Filmhochschule „Konrad Wolff“. Seit 1999 ('Wege in die Nacht') war dann keiner der Filme des viel versprechenden Regie-Talents mehr in die Kinos gekommen, drehte er ausschließlich fürs Fernsehen (u.a. „Schimanski“- und „Polizeiruf“-Folgen). Nun hat er sich mit dem vom Drehbuch her schon überladenen 'Freischwimmer' das erste Mal kräftig verhoben.

Gesellschaftssatiren mit skurrilen Figuren, das scheint nicht der deutschen Filmemacher Ding. Dieses Genre sollten sie doch lieber unseren westlichen und nordischen Nachbarn überlassen, wenn man nur einmal an Alex van Warmerdams 'Noorderlingen' oder Anders Thomas Jensens 'Adams Äpfel' denkt. So müssen wir und zusammen mit der Crème de la Crème der deutschen Schauspieler von Lola-Preisträger Frederick Lau über Dagmar Manzel, Jürgen Tarrach und Fritzi Haberlandt bis hin zu Devid Striesow durch eine unausgegorene Mischung aus Pubertäts-Drama, Märchen, Provinzposse und Gymnasial-Tragikomödie quälen, die von einem albernen Krimi um einen vergifteten Liebesknochen zusammengehalten wird, in den der Schul-Macho beißt.

Angeblich war das Teilchen aber für den seit dem Tod seines Vaters gestörten und zudem noch schwerhörigen Außenseiter Rico bestimmt. Nun geht das Spekulieren über den Täter los, den man trotz aller falschen Fährten als Zuschauer bald erahnt. Bis zur Auflösung überschreiten dann die Dialoge ständig die Grenze zur unfreiwilligen Komik, die Dramaturgie ist voller Löcher und die Regie versteht es nicht, den Genre-Mix in eine einheitliche Form zu gießen.

Bei den letztjährigen Filmfestspielen in Venedig, zu denen der Film überraschenderweise eingeladen wurde, verstand keiner diesen Humor. Es herrschte stummes Entsetzen nach der Vorführung, das sich jetzt sicherlich in einer gähnenden Leere in den Kinokassen widerspiegeln wird. Rolf-Rüdiger Hamacher

D 2008. Regie: Andreas Kleinert. Buch: Thomas Wendrich. Mit: Frederick Lau, August Diehl, Fritzi Haberlandt, Dagmar Manzel, Alice Dwyer, Devid Striesow, Jürgen Tarrach, Traute Hoess, Philipp Danne. novapool. 115 Min. Ab 8. Mai 2008 im Kino.

 

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