
Der Radrennsport war in den vergangenen Wochen ja wieder in aller Munde, nachdem sich einige der erfolgreichsten Tour-de-France-Strampler reumütig als Doper geoutet hatten.
Insofern kommt dieser Film über den schottischen Weltmeister in der so genannten Einerverfolgung genau zum richtigen Zeitpunkt.
Angesiedelt ist das auf tatsächlichen Geschehnissen beruhende Sportlerdrama und Langspielfilmdebüt des vormaligen Fernsehregisseurs Douglas Mackinnon in einer Zeit, als bei den Profiradfahrern zumindest vordergründig noch alles in Ordnung war. Ironischerweise wird in Flying Scotsman die Doping-Frage auch einmal diskutiert, aber in Zusammenhang mit Graeme Obree schnell als Nonsens abgetan.
Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Schotte fand in seiner Kindheit im Drahtesel die Bestätigung, die ihm im Kreise der Gleichaltrigen stets verwehrt geblieben war. Als ihm das Leben mal wieder einen Streich spielt, fasst er sich ein Herz und versucht sich als blutiger Anfänger und mit einem unter kuriosen Bedingungen selbst zusammengebauten Rennrad im Aufstellen eines neuen Stundenweltrekords.
Obwohl die Briten hier einem ihrer großen Sportheroen ein Denkmal gesetzt haben, lässt sich das Ergebnis von einem Hollywoodstreifen zur gleichen Thematik kaum unterscheiden. Graemes persönliche Probleme (er war manisch-depressiv und unternahm einen Selbstmordversuch) werden ein ums andere Mal als Motor für die dramatischen Entwicklungen bemüht.
Gerade in der von Brian Cox verkörperten Figur eines fürsorglichen Priesters sind die Drehbuchautoren dabei aber gewaltig über ihr Ziel hinausgeschossen – das ist Pathos mit dem Holzhammer. Immerhin ist es aber auch die gleiche Figur, die dem Film die wenigen und deswegen umso dringlicher benötigten komischen Aspekte verleiht, die ihn für Genrefans noch weitgehend akzeptabel machen. FB
GB/D 2006 (The Flying Scotsman) Regie: Douglas Mackinnon. Buch: John Brown, Declan Hughes, Simon Rose. Mit: Jonny Lee Miller, Billy Boyd, Laura Fraser, Brian Cox, Morven Christie, Steven Berkoff, Philip Wright. Central. 96 Min. Ab 5. Juli 2007 im Kino.
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