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Flutsch und weg


Momentan gibt es weltweit eigentlich nur zwei Firmen, die im Bereich des Animationsfilmes ausnahmslos hervorragende Arbeiten vorlegen: die Pixar Studios und Aardman Animations.

Ihre Genialität beschränkt sich nicht nur auf die handwerkliche Perfektion, sondern findet auch im überbordenden Ideenreichtum der Geschichten, der Liebenswürdigkeit der Charaktere und in der inszenatorischen Rasanz ihre makellose Entsprechung. Die Aardman Studios im britischen Bristol haben ihren reizenden Plastilin-Figuren bisweilen in zwei abendfüllenden Spielfilmen eine Plattform geboten: Chicken Run – Hennen rennen und Wallace und Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen bezeugen eindrucksvoll die Professionalität ihrer Schöpfer.

Bei Flutsch und weg waren es wiederum die kreativen Knetformer um Peter Lord, die ihrer Fantasie freien Lauf ließen und eine ganz eigene Welt um glubschäugige und hasenzahnige Wesen entwarfen, die dieses Mal jedoch nicht von Hand geformt, sondern komplett digital am Rechner erzeugt wurden. Den Unterschied sieht man kaum, zumal man von dem Film ohnehin von der ersten Minute an derart gefesselt ist, dass man sich darüber gar keine Gedanken mehr macht.

Roddy St. James ist eine Hausmaus einer reichen Familie im Londoner Nobelviertel Kensington, die sprichwörtlich im goldenen Käfig wohnt. Als er von einem unerwünschten Eindringling, der Proleten-Ratte Sid, argwöhnisch das Klo hinuntergespült wird, findet sich Roddy in einer ihm vollkommen unbekannten Unterwelt wieder. Gemeinsam mit seiner unfreiwilligen Retterin, der Rattendame Rita, muss er sich in der Kanalisation vor einer listigen Gaunerbande in Sicherheit bringen, die von einer schleimigen Kröte angeführt wird. Der irre Unterweltboss hat einen arglistigen Plan, mit dem er sich an seinen Erzfeinden rächen und die Macht im Entwässerungssystem endgültig an sich reißen will.

Wie in den Pixar Studios sitzen bei Aardman auch eine Vielzahl von kreativen Köpfen, die sich einen Spaß daraus machen, ihre eigenen Arbeiten und die Klassiker der Animations-, ja der ganzen Filmgeschichte wirkungsvoll auf die Schippe zu nehmen. Man muss schon sehr genau hinschauen, wenn man die Hasen aus dem letzten „Wallace & Gromit“-Abenteuer oder Herrchen und Hund selbst in den Kulissen dieses Films entdecken will. Andere Anspielungen wiederum, auf einen verloren gegangenen Fisch oder eine romantische Spaghetti-Szene im Restaurant beispielsweise, sind fast schon Bestandteil der Haupthandlung und können kaum übersehen werden. So oder so lohnt es sich aber auf jeden Fall, Flutsch und weg mehrfach anzuschauen, um all die Details zu erkennen und all die Seitenhiebe zu verstehen.

Nicht zuletzt ist es der aktuelle Bond-Hype, dem so manche Breitseite verpasst wird, schließlich ist Roddy eine urbritische Maus im Smoking, die am liebsten Bondklassiker wie Stirb an einem anderen Morgen auf DVD anschaut und sich schließlich mit dem berüchtigten Le Frosch und seiner Bande herumschlagen muss. So sieht gelungene Familienunterhaltung aus, von der alle Altersklassen etwas haben und die von den Aardman Studios hoffentlich auch in Zukunft auf gleich bleibend hohem Niveau produziert werden wird. FB

GB/USA 2006 (Flushed Away) Regie: David Bowers, Sam Fell. Buch: Dick Clement, Ian La Frenais, Chris Lloyd, Joe Keenan, Will Davies. Sprecher: Jessica Schwarz, Ralf Bauer, Bert Franzke, Andreas Fröhlich, Frank Glaubrecht, Olaf Reichmann, Frank-Otto Schenk. UIP. 84 Min. Ab 7. Dezember 2006 im Kino.