Der Erfolg japanischer Gruselgeschichten à la Ring oder Grudge hat auch eine Renaissance des Schauerromans und des guten alten Geisterfilms eingeläutet.
An sich ist es ja ganz schön, dass man sich wieder auf subtileren Grusel und weniger explizite Schocks verlässt – das ist ein schöner Kontrast zu den Stilmitteln, denen im Moment die jungen Wilden der Horrorszene frönen. Wenn man sich aber schon auf Atmosphäre und Licht- und Soundeffekte beschränkt, sollte man diese wenigstens beherrschen.
Courtney Solomon, der schon mit der Videospielverfilmung Dungeons & Dragons unangenehm auffiel, hat nun hier Bret Monahans Roman „The Bell Witch – An American Haunting“ bebildert. Der Farmer John Bell zieht im frühen 19. Jahrhundert den Unmut einer Dorfbewohnerin auf sich. Fortan scheint seine Familie verflucht. Seine liebreizende Tochter Betsy wird des Nachts in ihrem Bett von Geistererscheinungen heimgesucht. Zunächst glauben alle nur an einen Scherz, bis auch Betsys Eltern, ihr Lehrer und der Dorfpastor Zeuge der übernatürlichen Geschehnisse werden.
Immer wieder scheint die Kamera die subjektive Perspektive der Bell-Hexe einzunehmen, wenn sie völlig losgelöst wild durch die Zimmer kreist. Dabei wird das Bild dann schon mal schwarz-weiß eingefärbt, aber keineswegs so konsequent, dass man hier ein wohlüberlegtes Stilelement entdecken könnte. Alles ist furchtbar nachlässig zusammengeschustert, mal wird Der Exorzist zitiert, dann wähnt man sich in einem Poltergeist-Remake – Originalität sucht man sowohl in der Story als auch in der Inszenierung vergebens.
Dass am Ende gar nichts mehr Sinn macht und mit einer unnützen Rahmenhandlung eine aufgesetzte Parallele zur Gegenwart hergestellt wird, fällt da gar nicht mehr störend ins Gewicht. Was hat man den Genreveteranen Donald Sutherland und Sissy Spacek bloß geboten, dass sie hier mitmachen? FB
GB/CDN/RUM 2005 (An American Haunting) Regie und Buch: Courtney Solomon. Mit: Donald Sutherland, Sissy Spacek, James D’Arcy, Rachel Hurd-Wood, Matthew Marsh, Thom Fell, Vernon Dobtcheff. Splendid. 91 Min. Ab 11. Januar 2007 im Kino. |