Home

Der fliegende Händler


Antoine ist ein Ruheloser. Einer, der zwischen unausgepackten Kisten in einer schmucklosen Wohnung lebt. Einer, der keinen Job länger als drei Monate behält. Einer, dessen Stirn ständig in Falten, dessen Blick immer dunkel ist. Einer, der nicht weiß, wo er hin will mit seinem Leben. Und der auch nicht weiß, wie man so etwas herausfindet.

Eines aber weiß Antoine ganz genau: Nichts zieht ihn mehr in jene Gegend zurück, die er einst fluchtartig verließ. Die südfranzösische Provinz, deren Idylle für Antoine nur Enge bedeutet. Aber natürlich muss dieser Griesgram genau dorthin. Denn 'Der fliegende Händler' erzählt nun mal die Geschichte von der Heimkehr des verlorenen Sohnes. Und das im Gewand eines Heimatfilmes.

Bei dem Wort muss man nicht gleich zusammenzucken. Schließlich findet in Eric Guirados ausgesprochen charmantem Film selbstredend keine gefühlsduselige Land- und Leuteverklärung statt. Eine Liebeserklärung an selbige ist es dennoch. Und zwar eine sehr geschickte – bleibt doch der Blickwinkel immer der skeptische Antoines. Nachdem dessen Vater einen Herzinfarkt erlitt, ist er nämlich in der Pflicht. Er muss zurück in die alte Heimat, um mit Papas rollendem Lieferservice übers Land zu fahren und an die Dörfler Lebensmittel zu verkaufen. Und das macht Antoine dann auf eine so mufflig-ruppige Art, die, nun ja, einfach unwiderstehlich ist.

Sicher, das alles ist weit entfernt von Originalität. Fast schon akkurat arbeitet 'Der fliegende Händler' den Katalog ab, in dem auf Bruder- und Vaterzwist der Clinch mit den Dörflern folgt und freilich auch irgendwann die Liebe umherflattert. Aber was macht das schon, wenn es so erzählt wird wie hier? Nämlich aufmerksam, mit Gespür für Stimmung und Tempo, wunderbar unaufdringlichen Schauspielern und Bildern, die jetzt schon Sehnsucht nach dem Sommer wecken. Und am Ende dann – das kann man getrost verraten – sind Antoines Stirnfalten verschwunden und ein schiefes Grinsen auf seinem Gesicht. Und wohl mit einem ähnlichen Grinsen – das wiederum kann man getrost versprechen – wird man auch als Zuschauer aus diesem Film herausgehen. Steffen Georgi

F 2007 (Le fils de l'épicier) Regie und Buch: Eric Guirado. Buch: Florence Vignon. Mit: Nicolas Cazalé, Clotilde Hesme, Jeanne Goupil, Daniel Duval, Stéphan Guérin-Tillié, Liliane Rovère, Paul Crauchet. Arsenal. 96 Min. Ab 24. April 2008 im Kino.

 

> FILMSTART-Forum: Kino Aktuell