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Fast Food Nation




Der Mensch, der Fleischfresser. Nun erlegt er das Fleisch ja nicht mehr selbst, nein, das übernimmt heutzutage die Industrie, die ihm die toten Häppchen portionsweise in die Burger presst.

Super Size Me hat 2003 gezeigt, inwiefern täglicher Fast-Food-Verzehr auf die Gesundheit schlagen kann. Morgan Spurlock quälte darin im Selbstexperiment nicht nur seinen Körper, er enttarnte zudem die amerikanische Fast Food Nation, dessen Bevölkerung von Kindesbeinen an per Burger-Mac zum Big-Bürger gemästet wird.

Einer solchen eher polemischen und entsprechend angreifbaren Herangehensweise entbehrte der Ansatz des amerikanischen Journalist Eric Schlosser, der sich 2001 der Burger-Industrie umfassender annahm: Er deckte in seinem Sachbuch „Fast Food Gesellschaft“ über den gesundheitlichen Aspekt hinaus die Machenschaften der Fast-Food-Industrie auf. Die Verstrickung um die rücksichtslose Arbeitspolitik, skrupelloses Management, Landschaftszerstörung und nicht zuletzt der gesundheitliche Aspekt werden im Buch episodisch zusammengeführt.

Richard Linklater legte den Stoff nun seinem gleichnamigen Film zugrunde. Das Faktengerüst füllte er zusätzlich mit eigener Recherche und ließ sich von Figuren aus Sherwood Andersons Bestseller-Roman „Winesburg, Ohio“ inspirieren. So entstand aus dem Sachbuch ein Spielfilm, der sich beherzt zwischen Drama und Satire bewegt.

Der Regisseur nimmt sich episodisch der verschiedenen Handlungsstränge an, die, ausgehend vom weltumspannenden Management der fiktiven Burger-Kette Mickey’s, in der Fleischfabrik in Cody, Ohio, münden, wo die Schicksale der Hilfsarbeiter, Rinder, Konzernchefs und -gegner zusammentreffen.

„There is shit in the meat!“ Ausgelöst von dem Verdacht, wonach sich im Bestseller-Burger Big One Kolibakterien befinden sollen, zieht es den unbekümmerten Erfinder des Verkaufsschlagers, Don Henderson (Greg Kinnear), ins amerikanische Hinterland. Dort thront, umgeben von gewaltigen Rindergehegen, die Fleischfabrik Uni Globe Meat Packing, kurz UMP. Don macht sich ein Bild vor Ort, das oberflächlich einen tadellosen Eindruck hinterlässt, bis er mit Farmern (Kris Kristofferson) und Regionalvertretern (Bruce Willis) spricht, die ihm die Augen öffnen. Währenddessen trudeln neue Hilfsarbeiter aus Mexiko ein, darunter das Paar Raul und Coco sowie deren Schwester. Schnell geraten sie an den schmierigen Vorarbeiter von UMP, dessen selbstsüchtigen Absichten sie ebenso für eine glückliche Zukunft in Kauf nehmen wie die zweifelhaften Arbeitsbedingungen. Und hinter dem Tresen der Burger-Filiale steht die junge Amber, die Besuch von ihrem Onkel Pete (Ethan Hawke) bekommt, der sich seine Nichte zur Brust nimmt, woraufhin sie mit einer Gruppe Polit-Aktivisten liebäugelt.

Ähnlich vielschichtig wie sich Steven Soderberghs Traffic dem Drogengeschäft annäherte, dreht Linklater die Einzelschicksale seiner Protagonisten einmal durch den Fleischwolf und formt sie geschmackvoll zur runden Bulette. Talentierte Nachwuchsdarsteller bilden dabei die mundende Basis, die von gewitzten Starauftritten garniert wird. Kritisch, aber angenehm undidaktisch nimmt sich der Regisseur im Gegensatz zu Soderbergh auch Raum für Ironie und Zynismus, die sich nach hinten zunehmend verdüstern. Dabei verleiht Linklaters Biss unserem nächsten Zubeißen durchaus eine Prise Argwohn. HE

USA/GB 2006. Regie und Buch: Richard Linklater. Buch: Eric Schlosser. Mit: Patricia Arquette, Bobby Cannavale, Paul Dano, Luis Guzmán, Ethan Hawke, Ashley Johnson, Greg Kinnear, Kris Kristofferson. Senator. 114 Min. Ab 1. März 2007 im Kino.

 

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