Es ist Sommer, das Meer ist warm, doch Selma fühlt sich alles andere als federleicht. Die Zwölfjährige befindet sich auf der Schwelle zwischen Kindheit und Jugend, einem Alter, in dem mit aller Wucht existenzielle Fragen aufkommen.
Bei Selma ist das unter anderem die Frage nach Leben und Tod. Ihre Mutter starb bei ihrer Geburt, weshalb das Mädchen gern „Totsein“ spielt. Damit verknüpft ist die Sache mit der Liebe. Selma hält die Liebe für gefährlich. Schließlich sei ihre Mutter daran gestorben, lautet ihre überraschende Analyse.
Während sich ihre Freundinnen heftig für Jungs zu interessieren beginnen, verlegt sich die Zwölfjährige auf die Theorie. Sie will Wissenschaftlerin werden und den Nobelpreis gewinnen – am besten auf dem Gebiet der Biologie. Mit großer Erleichterung liest sie, dass das X-Chromosom verschwinden wird. Jungs ade – wenn auch erst in ein paar Millionen Jahren.
Natürlich dringt das echte Leben trotz aller Gegenwehr in Selmas Kosmos ein – in Gestalt eines Klassenkameraden, mit dem sie wissenschaftliche Fragen erörtert, und in Gestalt eines jungen Mannes, den sie anhimmelt und der ihr schwere Fragen stellt. Zum Beispiel, warum die Milch innen schwarz ist.
Die Farbe der Milch ist weder ein Kinderfilm noch eine Teenie-Komödie. Die Regisseurin bezeichnet ihr Werk zutreffend als Familienfilm. Er ist auch für erwachsene Zuschauer nicht ohne Reiz, weil er die Nöte des jungen Mädchens in angemessene Bilder übersetzt und die Rolle von Erwachsenen in Frage stellt. Sie werden durchgängig aus der Perspektive des Mädchens gezeigt und führen sich aus dessen Sicht reichlich kindisch auf. Aber sie braucht ältere Menschen, um für sich ein paar Fragen zu klären. Und zwar nicht nur die, warum die Milch innen schwarz ist. VM
N 2004 (Ikke Naken) Regie und Buch: Torun Lian. Mit: Julia Krohn, Bernhard Naglestad, Gustaf Skarsgård, Reidar Sørensen, Andrine Sæther, Ane Dahl Torp. Arsenal. 90 Min. Ab 8. Februar 2007 im Kino.
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