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Falscher Bekenner


Nach einem schlichten schwarz-weißen Vorspann bleibt die Leinwand zunächst einmal pechschwarz. Darauf ist erst der Schatten eines Menschen auszumachen, dann werden Schritte hörbar. Unvermittelt folgt ein Autounfall.

Nach dem Schnitt zeigt die Kamera ein gutbürgerliches Haus, wo offensichtlich der junge Mann wohnt, der den Unfall beobachtet hat. Armin (Constantin von Jascheroff) hat gerade die Realschule abgeschlossen. Haben sich seine beiden älteren Brüder (Devid Striesow und Florian Panzner) bereits im Leben eingerichtet, so scheint er es damit nicht besonders eilig zu haben.

„Eine Bewerbung pro Tag“, haben ihm seine Eltern (Manfred Zapatka und Victoria Trauttmansdorff) eingeschärft, besorgt um die Zukunft des wohlbehüteten Nesthäkchens. Armin fügt sich und fährt zu absurden Vorstellungsgesprächen, Interesse an irgendeinem Job zeigt er allerdings kaum. Der Autounfall bringt ihn auf die Idee, anonyme Bekennerbriefe zu schreiben.

In betont langsamem Erzählrhythmus, mit schlichtem Produktionsdesign und einer trotz formaler Strenge eigenwilligen Mischung aus realistischen und surrealen Bildern entwirft Regisseur Christoph Hochhäusler das Porträt eines apathischen, unsicheren Jungen auf dem Weg zur Selbstfindung, der vor der Wahl seiner eigenen Zukunft ratlos steht.

Ob Armins Entschluss zur Selbstzerstörung aus spätpubertärem Geltungsdrang oder aus einer in langen Kamerafahrten genüsslich in Szene gesetzten Vorstadtidylle-Langweile herrührt, lässt der Film offen. Aber gerade diese Unentschlossenheit trägt in hohem Maße dazu bei, die Orientierungslosigkeit einer Jugend zu verdeutlichen, die sich zwar der Einordnung in die Gesellschaft verweigert, aber kaum Alternativen anzubieten weiß. JG

D/DK 2005. Regie und Buch: Christoph Hochhäusler. Mit: Constantin von Jascheroff, Manfred Zapatka, Victoria Trauttmansdorff, Nora von Waldstätten, Devid Striesow, Florian Panzner, Laura Tonke. Piffl. 86 Min. Ab 18. Mai 2006 im Kino.