Home

Falafel

Eine Nacht in Beirut: Der junge Toufic lebt ein typisches Studentenleben zwischen seinem Job, seiner Familie und abendlichen Vergnügungen – doch wie viel Normalität lässt sich im krisengeschüttelten Libanon aufrecht erhalten?


Michel Kammouns auf zahlreichen Filmfestivals gefeiertes Spielfilmdebüt gewährt einen Blick in den Alltag eines Landes, das wir primär als Krisengebiet wahrnehmen. Bewusst wählt er die Gegebenheiten einer einzigen Nacht, um exemplarisch das Lebensgefühl der jungen Generation einzufangen: Es ist 2004, der erneute kriegerische Konflikt steht noch bevor. Toufic feiert mit Freunden eine Party, in deren Verlauf er seinem Schwarm Yasmin näher kommt. Ein gewalttätiger Zwischenfall erschüttert jedoch sein Vertrauen in sich selbst und die Welt um ihn herum...

'Falafel' ist eine beschwingte, aber angenehm unaufgeregte Momentaufnahme, die sich Zeit nimmt und den alltäglichen Kleinigkeiten des Lebens Raum gibt – und doch ist unentwegt eine gewisse Spannung zu spüren: Der anfängliche Optimismus des Films, hervorgerufen durch den Frohsinn des Protagonisten und seine sichtliche Vorfreude auf die Party, scheint jeden Moment in eine Katastrophe umkippen zu drohen.

Dabei geht Kammoun sehr subtil vor und deutet instabile Gesellschaftsstrukturen oft nur an. Zudem zieht er das Nationalgericht des Falafels metaphorisch als roten Faden durch die Handlung, was dem Film eine mitunter philosophische und dann wieder komische Wendung gibt. Trotz dieser filmischen Eigenheiten bleibt Toufics nächtliche Odyssee doch immer nachvollziehbar, und besonders das Ende passt angenehm in diesen Erzählfluss. Diana Kapke

F/LIBN 2006. Regie und Buch: Michel Kammoun. Mit: Elie Mitri, Gabrielle Bou Rached, Issam Bou Khaled, Michel El Hourany. mîtosfilm. 83 Min. Ab 22. Mai 2008 im Kino.

 

> FILMSTART-Forum: Kino Aktuell